w.ie ein Engel; denn nun hatte ich doch Fn aus der Heimat bei mir in dieſer großen Welt. Wie ſie mich ausfragte! aber es dauerte nicht lange; denn ſie hatte wahrhaft das Geriſſe, wie man hier ſagen würde. Sie tanzt aber auch wie ein completter Engel. Einer beſonders tanzte mit ihr am häufigſten.“—
„Wer war er denn?“— fragte die Mutter in größter Spannung.
„Es ſoll ein Gehülfe aus der Hofapotheke ſein“—
„Daß dich der—!“ rief mit der Zunge ſchnalzend die Mutter.
„Ei, ſieh''mal,“ fuhr die Freundin fort,„was haben Sie denn gegen den? Ich ſage Ihnen, es war der ſchönſte Mann auf dem Balle, der beſte Tänzer und der gewandteſte Unterhalter.“
„Seien Sie nur ruhig, werthe Frau Gevatterin,“ nahm jetzt Rühle das Wort.„Meine Frau hat heute ſo ihre Ratte. Sie meint das nicht ſo arg, als es ausſieht.“
Jene lachte,„ich denke auch;“— ſagte ſie darauf;„aber auch Ihnen bringe ich eine Neuigkeit mit. Der Landrath hat's nun durchgeſetzt, es kommt eine zweite Apotheke her, und die Conceſſion iſt ſchon vergeben.“
S Das war ein Donnerſchlag, der aufs Haupt traf.
„Eine Zweite!“ rief endlich Rühle aus.„O, ich geſchlagener Mann! Wie ſoll's nun in der Zukunft gehen?“ Er rannte hinaus, um ſich Luft zu holen, denn im Zimmer wurde es ihm zu enge.
„Sehen Sie,“ ſprach Madame Rühle,„ſo ſind dieſe Neun⸗ und neunziger! Wenn auch ihr Schäfchen längſt im Trocknen ſitzt, ſo meinen ſie doch, ſie müßten zu Grunde gehen, wenn das Allein⸗ recht ihnen genommen wird. Wir ſind nicht arm. Leben und Leben laſſen iſt mein Grundſatz— aber— darf keinen heirathen!“


