niemals einen Apotheker heirathen. Ich weiß leider, was das heißt!“
„Du?“ rief jetzt Rühle im heftigſten Zorn, und ſtemmte beide Arme in die Seite.„Du weißt's, was das heißt? Ich will mich nicht ſelber loben, aber mein' Seel', einen ſolchen Mann hätteſt du in der Welt nicht wieder gefunden. Laß ich mir nicht Alles gefallen? Bin ich nicht die Sanftmuth ſelbſt, die Geduld und Langmuth?— Iſt mein Gelvbeutel nicht offen für jede neue Mode, ſo koſtbar ſie auch ſein mag? Bin ich nicht Stadtrath und du die Erſte Frau der Stadt nach der Bürgermeiſterin— und vor ihr, ja das ſag' ich, vor ihr; denn du biſt reich und die eine arme Hexe!“
„Sei ſtille,“ ſprach die Gattin,„ich meine nur, Ihr habet Alle ſo ein Nummer 99 im Gehirn!“—
„Ha, das alte Lied, das immer„Kuckuck“ klingt!“ ſchrie er jetzt aufs Aeußerſte gebracht.„Wär's ein Wunder, wenn man närriſch würde mit ſo einem Weiben
„Rühle!“ ſprach Madame, runzelte die immer noch weiße Stirn und erhob den Zeigefinger der rechten Hand drohend. Wie ſich die Wellen des Meeres legen, wenn der Sturm ausgetobt hat,
aber noch lange hoch gehen, ſo brummte zwar Herr Rühle, aber
der Sturm war bedräuet. „Ich weiß wohl,“ ſagte er nach einigem Auf- und Nieder⸗ rennen im Zimmerlein,„daß die Leute den Apothekern nachſagen, es rappele zu Zeiten im Capitole; allein nulla regula sine exceplione, das heißt, ſie ſind nicht alle Narren. Ich, zum Beiſpiele, mache eine ſeltene Ausnahme. Wenn's aber auch iſt, ſo ſteht es feſt, daß dies nur den Gerüchen zuzuſchreiben iſt, die unſer Einer immer einathmet. Laß mir übrigens die Apotheker in Ruhe. Es iſt mir noch keiner vorgekommen, der ein armer Mann geworden wäre, wenn er nur irgend zu rechnen verſtand. Ich hoffe, es war nur Scherz, und wenn heute ein tüchtiger Pharmaceute käme, du gäbeſt ihm Julchen gerne.“ „Nimmermehr!“ war die kategoriſche Antwort.
Rühle hielt's nicht länger aus. Er rannte zur Thüre hinaus


