Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
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weiß. Niemand iſt ſchlimmer als der langbeinige Medizinalrath, der Neidſack! Der will immer, daß ich die Filtrir⸗, Deſtillir⸗ und wer weiß was für Apparate kaufen ſoll. Ja, kaufen! Wart' ein wenig! Wie dem aber ſei, kommt die Zweite, ſo muß ich dran, wie ich mich auch ſträuben mag. Das iſt der Fluch der Coneurrenz, daß ſie Einen wider Willen nöthigt, all' das verrückte Zeug mit zu machen, aus dem alten, guten und ſichern, auch lucrativen Gange zu weichen und jeder Neuerung zu huldigen, die ſo ein Windbeutel erſinnt, und die Welt voll ſchreit, wie vortrefflich ſie ſei, während ſie den Teufel nichts taugt.

Die Apothekerin war während des Sermons ihres Gatten ſänftiglich entſchlafen. Er hatte das in der Gluth ſeines Eifers durchaus nicht wahrgenommen und mit wunderbarer Volubilität der Zunge die Qualen ſeines Herzens heruntergeſchauert. Settchen duſelte behaglich. Als aber nun ein remarcables Schnarchen ſich vernehmen ließ, wurde er aufmerkſam und zugleich kreidebleich vor Grimm.

Warte! fagte er mit verbiſſenem Aerger,du ſollſt wach

werden. Er eilte in die Apotheke und holte eine Karaffe mit

Salmiakſpiritus, die er ihr vor die Naſe hielt. Mit einem Schrei erwachte ſie und ihr erſtes Wort war das liebkoſende:Eſel, was treibſt du mit mir? Gottlob! Settchen, daß du lebſt! Wie war mir ſo bange! Ich meinte du lägeſt in einer tiefen Ohnmacht. Nun maule mir nicht, du ſiehſt, daß ich als Mann vom Fache daran denken mußte, * dich zu erwecken! So ſprach er mit heiliger Miene, die aber die Malice ſchlecht verhüllte. Rühle kannte ſeine Frau. Sie glaubte ihm aufs Wort, um nur nicht weiter nachdenken zu müſſen, und nach einer ſo heftigen 2 Gemithsüußerung war lange Ruhe gewiß. Er fuhr fort:Sieh' liebes Kind, ich habe dir da all' mein Elend erzählt, und du haſt es am Ende gar nicht einmal gehört! O, ich armer Mann!

Als ob ich das nicht auswendig wüßte, wie meinen Katechis⸗ mir Julchen auch

mus? ſprach Madame Rühle.Darum