— 30 Königsrauch, Roſenwaſſer, Benzve, Pomade, engliſch Pflaſter, Eau de Cologne und dergleichen Dingen. Bekomme ich die etwa gratis? — Leider zeigen die Defectenrechnungen von Jobſt und Wippermann das ellenlange Gegentheil. Das halt Einer in Geduld aus!“
„Laß es bleiben!“ ſagte Madame Rühle und betrachtete die Nachbarin, die Gewürzkrämersfrau, die mit einer neuen Pelz⸗ pelerine eben ausging, um den Kaffe bei der Frau Stadtpfarrerin zu trinken.
Herr Rühle rückte die Brille zurecht und ſah ſeine Frau fragend an.„Mit Gunſt, Settchen, biſt du bei Troſt?“ fragte er.
Ein Feuerblick traf ihn ob dieſer kecken Rede. Er ſagte mehr, als hundert Worte.
Der Apotheker zwang ſein Geſicht in Lachform.„Du ſcherzeſt, Liebſte,“ verbeſſerte er honigſüß.„Du weißt, wie mächtig das Herkommen und wie gewagt es iſt, dagegen zu ſtreiten. Ich wollt' mal das Schreien im Kaſſino hören, wenn ich's unterließe? Auch ſcheinſt du gar nicht daran zu denken, wie es mir in dieſen bedenk⸗ lichen Zeitläuften darum zu thun ſein muß, mir die Gunſt des Publikums zu ſichern. Seit der philantropiſche Präſident hier war, iſt unſer trockner Landrath auch von dieſen verrückten Ideen beherrſcht, wie der überhaupt mit Confuſionen behaftet iſt. Du weißt ja noch, wie ſich der Simpliciſſimus in die Anſicht verbiſſen hat, es müſſe in einer Stadt von dreitaufend Seelen eine zweite Apotheke errichtet werden. Daß das nicht aufgegeben iſt, liegt klar vor. Geſetzt nun, es geſchähe, alle Peſt! dann ſäße ich! Der Menſch bedenkt nicht, daß hier die Leute raſend geſund ſind, unſere Luft desparat rein und unſer Waſſer übermäßig klar iſt. Seit Anno 1814 keine epidemiſche Krankheit mehr! die Cholera ließ ſich nicht blicken, und was hab' ich an der allein verloren? Ach mit Weh gedenke ich der verdorbenen Vorräthe, die ich noch, wie die
verwetterten Chamillen, ſo fündtheuer bezahlen mußte! Da komme Einer auf! Erwäge nur, wenn der Zweite an der Tare abthut,
ſo läuft Alles zu ihm und ich bin ruinirt.“ „Reuni-n-i-ret?“ gähnte die Apothekerin.„
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