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denn doch ſeltſam kommen.“„Ja wohl ruinirt,“ fuhr Rühle in wachſendem Feuer fort und rannte dabei Dampfwolken blaſend auf und nieder,„völlig ruinirt. Meineſt du denn, ich gäbe den mauſe⸗ kahlen Doctoren ſo ſüße Worte, daß jeder meint, ich venerire ihn am meiſten, wenn ich nicht wüßte, daß eine Zweite herkommt?— Ich haſſe ſie aus dem Fundamente, wie ſie ſich ſelber haſſen, und ſich doch mit Händereiben:„Verehrteſter Herr Collega“ nennen; aber man muß ſehr politiſch ſein, wenn man beſtehen will. An Erwerben iſt kaum mehr zu denken. Julchen im Inſtitute koſtet jährlich.“—
„Schweig' mit deinem Gekrächze!“ rief die Dame am Fenſter, ohne daß ſie ihre Stellung veränderte.
Rühle hatte den wunden Fleck berührt. Aufhören war jedoch jetzt ſeine Sache nicht. Er brach hier ab und knüpfte ſogleich den andern Faden wieder an.
„Wenn ich den Tag ſechs Recepte dispenſire, ſo iſt das viel. Wie will man beſtehen?— Wär's noch die gute alte Zeit, wo die—“
„Sei ſtille!“ ſprach Settchen, und blickte mit rollendem Auge den Redſeligen an. Er kannte dieſes: Stille! und dieſen Blick.
Rühle war faſt am Desperatwerden. Er mußte reden, und
ſollte der Hausfriede brechen. In dieſem Augenblicke kam zur guten
Stunde ein Recept. Er eilte in die Apotheke, kam aber bald wieder.„'s war nur ein Säftchen,“ ſagte er,„wie ſie leider jetzt nur vorkommen. Sieh Settchen,“ hob er an,„dir gab der liebe Gott ſo eine Fiſchnatur, die nicht aus ihrer Kälte herauskommt. Bei mir iſt's anders. Ich muß mich ausſprechen. Bei wem aber ſoll ich's, wenn nicht bei dir? Thu' mir den Gefallen und laß
mich mal ausſprechen. Es brennt mir im Herzen, wie Feuer!“
Sie ſchwieg und nahm die Stellung zur Sieſta, gähnte und ſchloß
das kleine Aeugleinpaar. Die Katze ſchnurrte zu ihren Füßen, der
Kanarienvogel zwitſcherte, die Pendule pickte und Rühle fuhr fort:
„Ja, die gute alte Zeit, als ich noch Lehrling und Subjeet war! Damals war die verfluchte Taxe noch nicht. Es herrſchte noch die Pharmacopoe von 1711, in der noch alle die Arcana


