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Der Greis bewohnte ein ſtattliches Haus, welches jedoch in eier 2 Nebenſtraße Aſti's lag, wo ſich ſeine Magazine in der Nähe befan⸗ den. Dem Hauſe gegenüber befand ſich die Wohnung eines Schnei⸗ ders, Namens Ghisberti, der ſelber längſt geſtorben war. Seine Wittwe war arm, und nährte ſich als Wäſcherin; aber ſie beſaß einen Schatz, wie Aſti keinen zweiten aufzuweiſen hatte, in ihrer kaum ſechzehnjährigen Tochter. Annunciata war ſchön wie ein Engel, und, was mehr iſt, ſie war rein wie ein Engel. Wohl ſuchten die Jünglinge der Stadt Buhlſchaft mit ihr, aber ſie wies alle mit ſittlichem Ernſte zurück. Da kam der junge Pomaria, das Neal eines ſchönen jungen Mannes, und ſeine Schlaf⸗ und Wohn⸗ ſtätte war ihrem Fenſter gegenüber.
Giambattiſta ſah das ſchuldloſe Engelsbild, und wurde bezau⸗ bert von den Reizen, die ſein Auge erblickte. Wäre Annunciata
ein Mädchen geweſen, wenn ſie den Eindruck nicht mit Vergnügen
wahrgenommen, den ſie auf das Herz eines Jünglings gemacht, den ſie ſelbſt ſo ungemein ſchön fand? Unter dieſen Umſtänden bildete ſich bald ein heimlicher Augenverkehr. Das Herz begehrte bald mehr, und da die Augen bereits vermittelt hatten, blieb der Umgang nicht aus, und die Herzen ſchloſſen den Bund der Liebe. War es ein Wunder, daß Giambattiſta nicht über die Alpen eilte? Mit der Meinung der Seinigen am fernen Rheine jedoch ſtand die
ſeine nicht im Einklange. Dort drängte der Vater auf des Sohnes
Rückkehr. In Aſti ahnete Niemand dies Verhältniß zu Annunciaten, am wenigſten der dem jungen Manne naheſtehende Greis. Niemand wußte darum, als der treue Diener Giambattiſta's, jener Joſt aus Kempten, der jetzt wieder in der Oſteria des Montefiasconers ſaß. Er liebte ſeinen jungen Herrn, er hatte ſelbſt in Kempten ein Treu⸗ liebchen. Warum ſollte er ihm ein Glück mißgönnen, deſſen Größe er ſelber kannte? Auch fand er kein Unrecht darin, daß ein ſo reicher junger Mann ein blutarmes, aber durch ſeine blendende Schönheit ſo hochgeſtelltes Mädchen freie, zumal ſie ſo gut und omm war wie eine Deutſche. An etwas Anderes aber, e N e ehrliche Heirath konnte Joſt nicht deßleß und zwar 1.


