„Wäre er von Glas,“ ſagte die Dritte,„ſo wäre er längſt an unſerer Hausecke zerbrochen; denn er rennt jedabendlich dawider.“ Ein lautes Gelächter beſchloß das Geſpräch in dem Momente, wo Malvogliv um die Ecke bog.
Hatte er es nicht gehört, oder mochte er es nicht hören? Es blieb jedenfalls zweifelhaft; denn er achtete nicht im mindeſten darauf, und arbeitete ſich mit ſeinen kleinen Beinchen aus der argen Geſellſchaft weg. Durch mehrere Gaſſen der alten Stadt war er ſchon gegangen. Gegen manche Oſteria hatte er lieb⸗ äugelnde Blicke geworfen; aber ſein Antlitz blieb ſich gleich. Als er in der Nähe der Kirche dei Angeli ankam, klärte ſich plötzlich
das Antlitz auf. Der Purpur der Naſe ſchien leuchtender zu gr werden. Die Augen irrten in ihren Höhlen herum, wie zwei die Feuerräder— denn— die Oſteria des Montefiasconers lag vor dis ihm, die Thüre ſtand offen, und er ſah die Gäſte in bunter . B Miſchung da ſitzen an den rohen Tiſchen, die umher ſtanden. Malvoglio trat raſch ein. Alſobald ließ er ſeine beiden Luchsaugen herumſpazieren und muſterte ſich ſeine Leute, indem er, auf die Spitzen ſeiner Zehen ſich ſtellend, unbemerkt umherſchaute. Da ſaßen ſie, die alten Genoſſen ſeiner ſeligen Zechſtunden, da ſaß auch der Geſuchte, die rieſiggroße blondhaarige, blauäugige deutſche Geſtalt des Joſt von Kempten bei Bingen, des wohlbekannten Dieners des jungen Giambattiſta Pomaria. Damit hatte es nun folgende Bewandtniß. Seit in Bingen die Lombarden oder Gewertſchen, wie man ſie allgemein in Deutſchland nannte, ſich niedergelaſſen, pflegte jährlich ein Glied des Hauſes nach Aſti zu gehen, wo ein anderer Zweig der Familien⸗Innung das Geſchäft betrieb, die Einkäufe machte, und dergleichen mehr. Man wählte dazu meiſt die jüngeren Fami⸗ lienglieder, um ſie in das Innere des Geſchäfts einzuweihen, mit den Familiengliedern jenſeit der Alpen bekannt und vertraut zu nuachen, und überhaupt ihnen einen freieren Ueberblick zu gewähren. Vor einem Jahre war Giambattiſta Pomaria in Aſti geweſen, und hatte ſich lange Zeit dort bei ſeinem uralten Großvater aufgehalten.


