„Weil ihr in kindiſcher Laune euch nicht verſtandet, weil ihr mit einander wohl einmal hadertet, ſolltet ihr in den verſtändigen Jahren nicht mit einander leben können?“ rief der Vater.„Toller Wahn! Deine Muter liebte mich auch nicht; ich ſah wohl auch eine Andere lieber; aber ich gehorchte meinem Vater, und nie war
eine Ehe glücklicher, als die unſere. Traurig, daß ſie der Tod ſo
frühe trennte! Ueberdieß haſt du Maria ſeit einem Jahre nicht geſehen, nicht geſprochen. Maria iſt eine Andere geworden, ſagt die Aebtiſſin.“
„Nur gegen mich nicht,“ verſetzte der Sohn.
„Giambattiſta,“ ſprach wehmüthig der Vater,„ſoll mein
graues Haupt mit Herzeleid belaſtet werden, und mit Herzeleid in die Grube fahren? Soll die Innung durch dich zerſtört werden, die ſo lange und ſo herrlich blühte? Sollen die Lombarden deutſches Blut mit dem ihren miſchen?— Soll des Vaters Fluch auf dir
laſten?“ Die letzten Worte ſprach er mit herber Strenge.
Der Sohn fühlte einen Schauer durch ſeine Adern rieſeln. „Ich will gehorchen!“ rief er, und faltete ſeine Hände in ſtummer
Trauer.
„Gut,“ ſagte froh der Vater.„Gottes Segen wird auf dir ruhen mit dem meinen, und an ihn gebunden.“
„Aber,“ ſchob der Sohn ein,„eilet nicht. Laßt mich wenigſtens
mit Maria Ottini näher bekannt werden. Geſtattet eine Friſt!“
„Die ſei euch zugeſtanden, wenn ihr die Verlobung vollzogen habet.“
Der alte Pomaria verließ den Sohn, dem er die Hand herzlich reichte, um zu Ottini zu gehen, daß er ihm Giambattiſta's Einwil⸗ ligung, zugleich ſeine Belehnung mit dem Schultheißenamte melde. Giambattiſta blieb allein in ſtummer Verzweiflung zurück.„Vergib
mir, arme Annunciata, betrogenes, armes Kind, vergib mir!“ rrief er endlich aus, ſeine Hände ringend.„Warum bin ich nicht am, wie ſie? Warum bin ich heimgekehrt aus dem Lande der Bäter? Dort, bei ihr, hätte ich bleiben ſollen!“


