Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
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und den Stab in deine Hände legen. Daß du aber auch nun als Glied in unſere Gemeinſchaft treten könnteſt, fehlet noch Eins, deine Vermählung mit Maria Ottini. Ueber das Geſicht des bildſchönen jungen Mannes zog eine Todesbläſſe. Der Vater mochte es bemerken; aber ſchwieg, und ließ ihm Zeit, ſich zu ſammeln. In Giambattiſta's Bruſt begann ein ſchwerer Kampf. Er liebte Maria Ottini nicht. Zwar war ſie ſchön wie ein Engelbild; aber in ihrer Seele lag Stolz, Herrſch⸗ ſucht, Härte und eine Gluth ſinnlicher Leidenſchaftlichkeit, wie ſie wohl nur unter dem glühenden Strahl einer italiſchen Sonne 3 reifen mag. Schon als Kinder hatten ſich Beide abgeſtoßen. Maria aber mochte gerne die Bewerbungen Anderer annehmen, und beſonders des Ritters Brömſer von Rüdesheim. War es eine perfönliche Abneigung oder das Bewußtſein, daß ihre Eltern ſie längſt für einander beſtimmt; kurz, ihre Herzen entfremdeten ſich in ſpäteren Jahren immer mehr. Um Maria's Heftigkeit zu mildern, hatte ſie Ottini in das Kloſter Ruppertsberg gebracht. Dort war ſie ſeit einem Jahre. Giambattiſta hatte ſie nur ſelten geſehen, aber nie das gefühlt, was das Herz zum Herzen zieht. Und wie

1 hätte das ſein können? Trat ja doch immer zwiſchen ihn und

Maria ein bleiches Bild, das tiefen Schmerz verrieth, ein Bild

aus früheren Tagen, ein Bild von jenſeit der Alpen!

Du ſchweigſt, hob endlich der Alte wieder an.Iſt die 8 Thorheit noch nicht beſiegt? Ich glaube, du würdeſt aus Dank 3 gegen den Vater, der Alles für dich that, der ſein ganzes Leben nur ſeinen Kindern weihet, thun, was ſeine Seele wünſcht, was 1 des Hauſes Beſtehen und Wohlſtand heiſcht. Hab' ich mich betrogen in dir?

O, mein Vater! ſeufzte der Sohn. 7 Du willſt ſagen, du hegeſt für Marien keine Neigung? 6

Thor! Iſt ſie nicht das lieblichſte Weſen, das dein Auge ſehen kann?

Wohl, mein Vater, ſprach Giambattiſta 5aber habt Ihr

ie bevbachtet? Kennt Ihr ihr Herz? Ihre Denk

weiſe? Habt 3 ihre Abneigung zu mir erwogen?