Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
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Schlau und eigennützig, wie der Krämergeiſt ſeine Knechte macht, war Pomaria darauf bedacht, auch noch einen andern Vortheil zu erzielen. Er ſelbſt war alt. Kamen kriegeriſche Zeiten und Händel, ſo mochte die Laſt des Schultheißenamts ihm ſchier zu ſchwer werden; die Vortheile jedoch waren zu groß, zu wichtig, welche mit dem Amte verbunden waren, als daß der ſchlaue und umſichtige Handelsmann ſie hätte mögen aus ſeiner Hand laſſen. Einer ſeiner Söhne war in Aſti, um die Verbindung mit ſeiner Familie zu erhalten und die neuen An⸗ und Einkäufe jenſeit der Alpen zu beſorgen. Der älteſte, Giambattiſta Pomaria, war bei ihm. Er war Bräutigam der Tochter Ottini's, und dieſe Verbindung ſollte erſt dann geſchloſſen werden, wenn der jüngſte Sohn aus Italien heimkehrte, und wenn Giambattiſta das Schultheißenamt würde erlangt haben. Nur Eins ſtand im Wege, der Umſtand, daß Giambattiſta kaum vier und zwanzig Jahre zählte, doch rechnete der Alte darauf, daß der Erzbiſchof in jede Bedingung willigen würde, welche er an die Darreichung ſeiner bedeutenden Geldmittel zu knüpfen für gut finden möchte.

So war dann der Tag gekommen, an welchem der Erzbiſchof eintreffen ſollte, und bald nach ſeiner Ankunft berief ihn ein Diener zu dem Kirchenfürſten, deſſen ränkevollen Charakter Pomaria längſt kannte, und gegen den ihn nur ſeine eigene, ächtitalieniſche Natur ſchützen mochte. 1

Der Erzbiſchof begrüßte ihn mit herablaſſender Freundlichkeit, welche in tieſſter Ehrfurcht der Kaufmann erwiederte. Wenn er auch im Herzen blutwenig auf den Segen eines Mannes gab, deſſen Seele den niedrigſten Geſinnungen anheim gefallen war, ſo nahm er ihn doch ſo andachtsvoll hin, als ſei Erzbiſchof Gerhardus I. ein Heiliger wie weiland ſein Vorgänger in früherer Zeit, der 3 heilige Bonifacius.

Ich bedarf deiner ſchon wieder, Andrea Pomaria, ſprach mit einer gewinnenden Freundlichkeit der Prälat, und kniff dabei ſein linkes Auge halb zu, als wolle er in des Kaufmanns innerſte Seele hineinblicken. i