„Das iſt leicht zu ſagen, Kunz,“ nahm Jener, ruhiger gewor⸗
den, das Wort im belehrenden Tone.„In dem Lande Italia, das ſo weit hinter den hohen Bergen der Schweiz liegt, gibt's viele geſchickte Leute. Daher kamen ſchon vor langer Zeit Handels⸗
leute, die ihre Waaren in Deutſchland, zumeiſt in den Städten,
feil boten, Seide, Sammt und Meßgewänder, auch Gold⸗ und
Silberzierath, ſchöne D Dolche und dergleichen. Die zogen umher
mit ihren Saumroſſen; bald aber fanden ſie es bequemer und ſicherer, ſich in den Städten niederzulaſſen, da die Raubritter ihnen gar oft die Waaren abnahmen. Nun ließen ſie ſie über die Schwei⸗ zerberge bringen, oder auch zu Waſſer bis Köln, und holten ſie dann unter beſonderm Schutze. So ſind auch die ſeit mehr denn vierzig Jahren in Bingen ſeßhaft, die Pomaria, Montemagno, Broglio und Ottini heißen, und nur unter einander heirathen, damit das Geld ſchön zuſammen bleibt. Wo Vögel ſind, da fliegen
Vögel hin. So wuchs ihr Reichthum, und nun ſitzen ſie im war⸗
men Neſte, und der Erzbiſchof hegt ſie, wie ſeine Schoßkinder.“
Das Geſpräch der beiden Reiſigen wurde durch den Schloß⸗
hauptmann unterbrochen. Es war der Brömſer von Rüdes⸗
heim, dem der Erzbiſchof das Schloß Klopp zur nei
anvertraut hatte, und die Vogtei Bingen.
Brömſer war ein Mann von etwa dreißig Jahren. Aufge⸗ wachſen im wilden Treiben des Kriegs, hatte er jene rauhen Sitten, jenes wilde Weſen, jene zügelloſen Leidenſchaften, welche die meiſten ſeiner Standesgenoſſen in ſeinen Tagen auszeichneten. Der Krieg
war ſeine Luſt. Hätte er ſich nicht dem Erzbiſchofe verpflichtet, als
ſeinem Landes⸗ und Lehensherrn, hätte nicht Albrecht von Oeſter⸗ reich jetzt ſeine Waffen gegen ſein eigenes Heimatland gewendet,
er würde gewiß ſich nicht in das Schloß Klopp eingeſchloffen haben. Eline Belagerung war freilich eine Luſt neuer Art, die er wohl in kleinerem Maßſtabe drüben in der Niederburg bei Privatfehden
dann und wann erlebt, nur ſo nicht, wie ſie jetzt bevorſtand; denn
Albrecht kam mit ungeheurer Macht und mit dem auserleſenſten
egegerüthe. 3½ Adolph von ſn Kaiſer war, t er es


