I.
es war im Anfange des Julius im Jahre 1302, als die Mittagsſonne glühheiß auf ein kleines Vorwerk der Burg Klopp ber Bingen ſchien, wo zwei Reiſige ſaßen⸗ denen die Langweile heftig zuſetzte. Beide nickten zu Zeiten im ſüßen Mittagsſchläfchen. Das Vorwerk ſtand zur Seite des Burgwegs, und war beſtimmt, dieſen zu ſchützen. Wenn auch gerade das Land umher im Frieden var, ſo loderte doch die Flamme des Kriegs im Mainzer Gebiet. Albrecht von Oeſterreich hatte ſeine Waffen gegen den Erzbiſchof Berhard U. gerichtet, welcher aus dem alten Stamme der Eppſteiner ſeine Herkunft ableitete, und Albrechts ſtarrer Sinn ſchien nicht ruhen zu wollen, bis et das Erzſtift in ſeinem Herzen, dem ſchönen Rheingau, zerrüttet habe. So drohte doch nahe Gefahr, wenn ſie auch gerade noch nicht da war, und die Reiſigen hatten daher hier ihren Wachtpoſten erhalten, welcher ihnen übrigens zur Stunde nicht ſonderlich am Herze lag. Es waren zwei im Alter verſchie⸗ dene Männer. Der Siena alt. Das Geſicht war verwittert, vernarbt, tiefgefurcht, das Haar grau, die Haltung aber noch unge⸗ wein feſt, und die Geſtalt groß, faſt rieſenhaft. Der Andere mochte vier und zwanzig Jahre zählen. Sein Ausſehen war jugendlich⸗ friſch und ſehr kräftig.— 3 Der Alte fuhr zuerſt auf und rüttelte ſeinen Genoſſen wach. „Kunz,“ ſagte er im tieſſten und rauheſten Baß,„wenn uns S der Brömſer alſo fände, ſo möchte ich auch kieber ei Rüdesheimer leeren, als dieſe Brühe austunken“ Der Angeredete lächelte und ſagte;„Da möchte ich Part halten mit Eurem Rüdesheimer, zumal der Erz 8 1


