„So!“ ſagte ich, und unterdrückte das Jucken in meinen Lachmuskeln über Lavater's Heimat.
„Ich hatte,“ fuhr er fort,„einen geiſtlichen Herrn Oheim, der ein großer Freund alter Geſchichten war. Als er ſtarb, hinterließ er mir viele Papiere, darunter auch eine gar ſchauerliche Geſchichte der Nacht von Bingen. Wenn Sie mich begleiten wollen, ſo will ich ſie Ihnen zeigen.“ Er griff nach der Miütze.
Als wir vor die Thüre traten, ſtieß ich auf eineg⸗Bekannten, einen Beamten aus Bingen⸗„
„Guten Morgen, lieber Horn,“ ſagte er, unt ſchüttelte mir die Hand.„So frühe hier? Und beim Schoppen?“ ſetzte er nicht ohne einen ironiſchen Blick auf das Schild der Kneipe hinzu. „Laſſen wir das,“ ſagte ich;„der Herr hier will mir eine wichtige hiſtoriſche Schrift mittheilen. Sie wiſſen, wie ich darauf eben Jagd mache.“
„Ah, Herr**, ſagte er, meinen Begleiter grüßend. „Kennen Sie dieſen Herrn?“ fragte er ihn.
„Ich habe die Ehre, ihn nicht zu kennen!“ ſagte verbindlich mein Mann. nn
Meein Freund lächelte und behnerkte:„Sie können ihm Alles
wertrauen. Ich leiſte Bürgſchaft für ihn.“
Das hatte ihm ein guter Geiſt eingegeben; denn nun fand mein Wunſch, das Manuſcript mitnehmen zu dürfen, durchaus keinen Anſtand. Sein Inhalt war ſo intereſſänt, daß es mich ungemein feſſelte. Styl und Sprache gehörten der Mitte des vorigen Jahrhunderts an. So aber war es nicht zu gebrauchen. Ich konnte indeſſen nicht widerſtehen, den Inhalt in nachfolgender Novelle mitzutheilen, die ich überſchreibe, wie auch meine Quelle über⸗ ſchrieben war.


