Teil eines Werkes 
1. Band (1850)
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ich ſie; und ſie nickt mit verlegenem Lächeln und lispelt ein leiſes Ja.

Wie heißt du denn?

Lieschen, ſagt ſie.

Ich heiße Gottfried, ſagte ich darauf und ins Ohr hab' ich ihr geflüſtert:Viel tauſendmal hab' ich an dich gedacht ſeitdem, denn du Hexe haſt mir's angethan!

Sie lachte laut auf und lief ſo ſchnell mit ihrem Eimer davon, daß ſie ſich das Waſſer über Schuh und Strümpfe ſchüttete.

Daran biſt du Schulb! rief ſie mir zurück, aber es lag kein Zorn in dem herzigen Geſichtchen, ſondern lauter Schelmerei.

Mittags um Ein Uhr war das Begräbniß. Da der alte Lips lediger Weiſe geſtorben war, trugen wir Jungburſche den Alten und Lieschen reichte die Rosmarinſträuße. Mir gab ſie den größten und ſchönſten. Ich ſah recht deutlich, wie ſich der Mijes, der auch in der Nachbarſchaft war, darüber ärgerte; denn der Neidſack hat mir meiner Lebtage nichts Gutes gegönnt.

Damals, Jörg, war's anders, als heutzutage. Starb Eins,

ſo wurde ein ſtattlich Leichenimbs gehalten. Da gab's Kuchen und Wein, und waren's arme Leute, Bier. Sie luden dazu die Ver⸗ wandten, Nachbarn und die Träger. Des Lipſen Bruder fand manch ſchön Fuderchen Wein im Keller, den ſich der Lips abgegeizt, und dachte, was er nicht trank, wollen wir ihm zu Ehren trinken. Er war überhaupt kein Knicker⸗ wie ſein Bruder ſelig. Da ſaß man denn bis ſieben oder acht Uhr Abends, und ſprach über dies und das, den Verſtorbenen und die Lebenden, Krieg und Frieden; manchmal wurden die Gäſte, beſonders wenn das Leid kein Herzleid war und nur im Flor am Hut ſaß, recht luſtigen Muthes. Beim alten Lips ging auch das Leid nicht tief ein, denn er hatte in ſtetem Hader mit ſeinem Bruder und der ganzen Nachbarſchaft gelebt; varum blieben die Gäſte noch da, als es längſt gedunkelt hatte. Lieschen wartete auf. Leider ſaß ich mit dem Rücken gegen die Thür und durfte mich nicht umſehen. Dann und wann ſah ich ſie von der Seite; aber wenn ſie an mir vorüberkam, ſtieß ſie