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Ich ſpitzte meine Ohren; denn jetzt wurden ſicher meine Räthſel alle gelöſt. Er begann mit einem tiefen Seufzer.
„Vielleicht ſiebzehn Jahre war ich alt, um Mariä Geburt werde ich jährig, da ſagte mein Vater ſelig zu mir, ſagt er: „Gottfried, geh' nach Bingen zu dem alten Gerber Pennerich, der iſt ein guter Freund von mir, und ſag' zu ihm: Herr Pennerich, mein Vater läßt ihnen guten Tag ſagen und Sie ſollten mir ein recht gutes, großes, braunes Rindsfell verkaufen zu einem Schurz⸗ fell; denn erſtlich biſt du ſehr lang und zum Andern wirſt du um Johannistag von der Zunft los⸗ und freigeſprochen und dahero Geſell“ Das kann ich dir ſagen, Jörg, daß die ſchönſte Kirch⸗ weihmuſik ſo nicht klang, wie dies Wort. Ich habe den Weg nach Bingen getanzt, und er war doch drei Stunden lang. Du weißt nicht, was das hieß:„Jung ſein und Geſell werden;“ denn das verdammte Franzoſenzeng hat alle Ordnung zerſtört mit ſeinen Patenten. Holt ſich nicht jeder Jung ein Patent und ſetzt ſich als Meiſter und wird ein Lump? Wo wandert heutzutag noch Einer? Daß Gott ſich erbarm', ſie kommen weit in der Nähe herum und das iſt Alles. Erſt auf ein Meiſterſtück werde man Meiſter und zwar auf rechtem Weg und in geſetzten Jahren.“
„Path' die Stange glüht!“ ſagte Jörg. Und nun ging's wieder: Puff, Paff, und die Funken ſprühten gewaltig um meinen Kopf. Als ſie wieder in der Eſſe lag, ſagte Jörg:„Path', ihr habt mir das ſchon oft recht genau auseinander geſetzt mit dem Zunft⸗ weſen zu Pfälzerzeiten und ich weiß es ganz gut. Erzählt'mal das Andre, nämlich, wie es euch in Bingen ging und ſo weiter. Das iſt mir noch ganz unbekannt.“
„Wie du willſt, Jörg, wie du willſt. Ich meine aber, die Einrichtungen einer guten Zeit kann man nicht genug kennen lernen. Item, es war juſt um die Kirſchenzeit als ich nach Bingen ging ſelbiges Mal; aber hier im Thal waren ſie noch nicht reif. Richtig geh' ich zu meinem Pennerich, kauf⸗ mir das Fell, roll's zuſammen⸗ nehm's unterm linken Arm, und ſchlend're ſo über den Markt,


