Teil eines Werkes 
1. Band (1850)
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Gottfried einmal die Augen zudrückt, und wenn es Niemand will, thut es mein guter Jörg. Siehſt du, der iſt mein Kind.

Ich habe ihn aber ſpäter nie mehr ſo albern gefragt; denn ich merkte, wie ihn das verſtimmte, und wie er nun den ganzen Tag traurig war und kein Wörtlein mehr ſprach.

Das ſchien mir nun Alles mit dem Kreuz unter dem Hol⸗ lunder in enger Verbindung zu ſtehen.

Ich mußte mich indeſſen gedulden.

Eines Tages trat ich in die Schmiede und hatte meine Grammatik in der Hand, um mein Penſum zu lernen. Drüben im Pfarrhauſe war ein Univerſitätsfreund meines Bruders einge⸗ rückt, den ſeine Seele lieb hatte. Sie plauderten zuſammen und auf mich wurde nicht weiter geachtet. Es war ein drückend heißer Julitag. Im Dorfe war es ſo ſtille, wie in der Nacht; denn die Bauern waren in den Weinbergen und die Kinder ſpielten vor dem Ort auf dem freien Platze, wo ehemals ein Kloſter geſtanden haben ſollte.

Ich ſetzte mich ſtille 5 die wurmſtichige Bant und las meine

Regel durch, während die beiden Schmiede eine Stange Eiſen platt

ſchlugen, um als Reif an ein Wagenrad zu dienen.

Gottfried rauchte ſeine kleine Pfeife, die erNaſenwärmer nannte. Es war ein langer Kopf aus Erlenmaſer und das Rohr ein Stück Hollunderholz, daß er ſich ſelbſt grobweg zurechtgeſchnitten hatte. Er blies dicke Dampfwolken aus. Ich hatte ein Geſpräch beider Schmiede unterbrochen.

Als die Eiſenſtange wieder in der Eſſe lag, ſprach Jörg: Woher kommt es doch, Path', daß der Wagnermijes(Jeremias Wagner) euch ſo ſpinnefeind iſt? Gottfried erwiederte nach einigen Minuten ſinnenden Schweigens:

Das iſt eine alte und lange Geſchichte, mein Sohn, und in ihr liegt der Grund meines armen, einſamen Lebens. Ich will ſie dir erzählen, du möchteſt ſie ſonſt vielleicht von Andern entſtellt hören; denn es ſind noch Leute genug da, die es wiſſen können, wie es damals zuging, vielleicht es gber nicht genau wiſſen.