Teil eines Werkes 
1. Band (1850)
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pald unter meinem lieben Hollunderbaume, den Gottfried ſchon vevlaſſen hatte.

Das Kreuz feſſelte jetzt meine Aufmerkſamkeit. Es war aus Schmiedeiſen gefertigt, ſo zierlich, geſchmackvoll und ſchön, daß ich gar nicht begriff, wie ich es hatte überſehen können. Abgeſehen von der beſonderen Beziehung, verdiente es die vollſte Aufmerkſam⸗ 1 keit. Man konnte nichts daran finden, das auf einen Namen gedeutet hätte. Es ſtand faſt wider der Mauer, war aber los gewackelt. Ich dachte mir, vielleicht ſteht etwas auf der Rückſeite,

und zog es zu mir. Da ſtand mit lateiniſcher Schrift eingemeißelt: Ade mein Lieb!

Es iſt doch gut, ſagte ich zu mir ſelbſt, daß es eine lateiniſche Grammatik gibt, denn ohne ſie würde ich ja das nicht haben leſen können; aber dieſer altkluge Gedanke war ſchnell verraucht und das, was hier vor mir ſtand, gab der Seele des Knaben eine andre Richtung. Ich beſteſtigte das Kreuz wieder und ſetzte mich unter

den Hollunderbaum.

Viele Fragen drängten ſich mir jetzt auf; aber um kein Gut der Erde hätte ich ſie Gottfried vorlegen können. Tag und Nacht beſchäftigte mich das Kreuz. Ich kam nun auf allerlei Zuſammen⸗

ſtellungen, und manche Aeußerung des Greiſes wurde mir verſtänd⸗ lich, die mir früher dunkel geblieben. 3

So hatte ich ihn einmal gefragt: Gottfried, warum ſeid Ihr doch allezeit ſo nachläſſig gekleidet?

Das bringt ſo das Handwerk mit ſich, ſagte er; darauf aber ſetzte er ſeufzend hinzu:Für wen ſollte ich mich denn putzen?

Ein andermal fragte ich ihn, als er allein in der Schmiede,

und er ſo ſtill war? Habt ihr keine Kinder, Gottfried? Ach, du närriſches Kind, ſagte er mit wehmüthigem Lächeln, ich bin ja nie verheirathet geweſen. 8 Warum denn nicht? fragte ich wieder..

Er ſchwieg eine Weile und ſeufzte tief auf; dann ſagte er weich:Es wird ſich ja doch Jemand finden, der dem alten 14**