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„Habt Ihr denn keinen Doctor?“ fragte Hubert, den die Nach⸗ richt heftig erſchütterte.
„Sie will keinen,“ ſagte die Hoffrau.„Ich denke,“ ſetzte ſie hinzu,„bis zur Kirmeß wird Alles vorbei ſein, daß ſie doch tüchtig tanzen kann, da ſie des Schultheißen Mailehen iſt. Es wär' auch traurig für den, wenn's anders wär', weil er ſo viel für ſie bezah⸗ len muß!“— Das war ein Stich ins Herz und, man ſah's,— vorher bedacht. Er traf ſicher.
Hubert beugte ſich zum Schooße herab, aber er ermannte ſich ſchnell.„Es iſt keine Kunſt, viel für ſie zu geben, wenn man viel hat!“ Das ſagte er halblaut, aber die Hoffrau hörte es. Sie ſchwieg darauf, weil es ſie reute, das harte Wort geſagt zu haben Sie blieb lange da und war freundlich gegen Hubert, der ein ſo liebevoller Sohn war.
Als ſie wegging, begleitete er ſie bis an den Steg über die Ahr.
„Es wird doch nichts zu ſagen haben mit Annchen?“ fragte er hier mit einem Tone, der tief hinab auf die Stätte der Bruſt wies, von wannen die Frage gekommen war.
„Brauchſt dich nicht zu bekümmern,“ ſagte die Hoffrau;„haſt Sorgen genug. Bis morgen iſt Alles vorbei.“
Das letzte Wort war ein prophetiſches, ohne daß es die Hof⸗ frau in dieſer Bedeutung gemeint hatte, denn am andern Morgen
war Hubert's Mutter eine Leiche, und als die Hoffrau kam, fand ſie Hubert vor dem Bette knieend in ſeinen Thränen. In der Nacht hatte er den Paſtor noch geholt, weil die Mutter die Sterbeſakramente verlangt hatte, und dann war ſie ſanft, wie eine Gerechte ſtirbt, und ihren Sohn ſegnend, hinübergegangen. Der Anblick erſchütterte die Hoffrau tief. Sie ſtellte ſich in Gedanken Alles ſo zuſammen und ein aufrichtiges Mitleid mit dem armen Verlaſſenen erfüllte ſie.
Sie ſprach ihm Troſt zu, aber er ſchien dafür nicht empfäng⸗ lich. Mit der Mutter war ihm Alles weggeſtorben. Er ſtand nun allein in der Welt, und das Herz, das allein tief mit ihm fühlte, durfte er nicht aufſuchen.


