Teil eines Werkes 
1. Band (1850)
Einzelbild herunterladen

einmal gebe zum Tanze? Nie! Schmerz der Armuth! O, er hatte den Fluch der Armuth noch nicht ganz gekannt; er hatte nicht geglaubt, daß ſie ihm eine ſo tiefe Kluft bereite. Zetzt ahnte er's! Bettelbub hatte ihn öffentlich der hochmüthige Pitter genannt. Und war's nicht ſo? Hatte er nicht gebettelt, nicht Bettelbrod eſſen müſſen? Das Gefühl der Schmach, der öffentlichen Verachtung zerriß ſein Herz. Was ſo in ihm gohr, das löſte ſich nach und nach in tiefen Schmerz auf und die Thränen ſind Balſam für ſolche Wunden. Tadle ihn, wer's kann. Die Natur hat ihre Rechte. Wo der Wille nichts vermag, bleibt am Ende nur die Thräne und Dank dem Himmel für dieſe Gabe! Sie erleich⸗ terte des armen Jungen Bruſt und machte das Herz empfänglich für die wiederkehrende Ruhe. Es war ſchon ſpät, als er zum ſtillen Häuschen zurückkehrte, wo die Mutter war. Sie hörte ihn nicht, als er, das Herz ſo ſchwer, in ſein Kämmerlein ſchlich.

Was jetzt ſich ereignet hatte, das kam ihm prophetiſch vor, und dieſer Gedanke legte ſich noch ſchwerer auf ſeine Bruſt.

Es iſt eine Erfahrung im Leben, daß kein Leid allein kommt. Auch dem armen Hubert war ſolche Erfahrung vorbehalten, denn als er am andern Morgen aufſtand, fand er die Mutter bedenklich krank.

Sie fragte ihn nicht nach dem Erfolge des Mailehens, denn er hatte ja keine Majen geholt und ſein Geſicht, der treue Abdruck ſeines Innern, ſprach's deutlich genug aus, was geſchehen war.

Er ſaß ſtille an der lieben Mutter Bette und hielt ihre fiebe⸗ riſch glühende Hand in der ſeinen. Sie war ſo matt, daß ſie kein Auge aufſchlug. Es kam eine große Angſt über ihn. Er ging zur nächſten Nachbarin und bat, daß ſie zur Mutter komme, weil er nach Ahrweiler zum Doctor gehen wolle. Gerne kam dieſe und ſogleich eilte er fort, die Hülfe zu ſuchen in ſeiner Angſt.

Als ſpät der Doector kam, fand er die Lage der Betagten bedenk⸗ lich. Hubert wich nicht von ihr. Gegen Abend kam die Hoffrau, um nach der Kranken zu ſehen.

Wir haben auch eine Kranke daheim, ſagte ſie zu der Lei⸗ denden.Unſer Kind liegt im Bette. 12