Teil eines Werkes 
1. Band (1850)
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Halt, ſagte einer der Schöffen, dem das Unrecht wehe that. Das letzte Gebot gilt nicht. Der Schultheiß hat das Recht ver⸗ letzt; er hat geſchimpft.

Ich nehm' das Wort zurück, biete aber neunzehn! ſprach Pitter mit vor Zorn bebender Stimme.

So iſt Anna ſein Mailehen! ſprach der Schöffe und ſetzte ſich.

Huſſa! ſchrie der Kreis.Der Schultheiß hat das ſchönſte Mailehen, und es gebührt ihm auch!

Und damit holla! ſprach leiſe in ſich hinein der Hofbauer.

Niemand blickte mehr auf Hubert, der mit geſenktem Haupt und kreideweißem Antlitze hinwegwankte. Nur der Hofbauer ſah ihm nach. Ach, der harte Mann dachte nicht mehr daran, daß es ihm vor zwanzig und mehr Jahren einmal ebenſo geweſen war.

Wo Hubert hinging?

Nicht zur Mutter, die unwohl geworden war, denn er wollte ihr das Jammergeſicht nicht zeigen; nicht zu Andern, denn er ſuchte die Einſamkeit. Ja, da drunten an der Ahr war das Plätzchen, wo er ſo glücklich geweſen. Es war Zeuge ſeiner ſeligen Hoff⸗ nungen, es ſollte nun auch Zeuge ſeines tiefſten Leides ſein.

Dort lag er noch auf dem Raſen, als ſchon die Nacht dunkel auf Altenahr lag, denn dichtes Gewölk deckte den Himmel und fernes Donnergrollen war eine Muſik, wie ſie zu ſeiner Stimmung vollkommen paßte. Er weinte! O hadert nicht und nennt's nicht weibiſch! Was ſtürmte Alles ein auf dies arme Herz? Betrogene Hoffnungen! Kennt ihr ſie? Wiſſet ihr, wie es dem Herzen iſt, wenn es aufgeben muß, was es ſo lange als ſchönſtes Ziel feſt⸗ hielt? Wofür es kein Opfer, keine Mühe, keine Entbehrung ſcheute? Und Alles umſonſt! nein! Werfe den erſten Stein auf den armen Jungen, wer in gleicher Lage ſein Gefühl zu bemeiſtern im Stande iſt.

Liebesweh'! Mußte er nicht ſeine Liebe wiſſen im Arme des Verhaßten, mußte er ſie nicht ſehen Herz an Herz im wirbelnden Tanze? Und durfte er hoffen, daß der rachſüchtige Pitter ſie ihm