Mädchen ſtill und fleißig, ſittig und beſcheiden. Eine Tänzerin, flüchtig wie eine Bachſtelze, raſch wie ein Reh, ſchlank wie eine Pappel, holdſelig wie Morgenroth— ich biete zehn Gulden!“
„Welch ein Preis!“ riefen die Jungen.
„Eilf!“ rief Hubert, und alle Köpfe fuhren herum nach dem Jungen, der es wagte, den reichen Maiſchultheiß abzubieten.
Ueber Pitter's Angeſicht zog der Grimm wie eine Wetter⸗ wolke.„Zwölf!“ rief er triumphirend und ſah im Kreiſe herum, als fordere er Alle auf, zu bekennen, das ſei eine Liebe, die zu Opfern bereit ſei.
Eine Weile blieb's ſtille.„Gebt acht, der bietet weiter!“ ſag⸗ ten einige der Jungen.
„Dreizehn!“ tönte es aus dem Kreis, und wieder blickten Alle auf den Hubert, deſſen Stirne glühte. Der Hofbauer biß ſich in die Lippen. Der Pitter wechſelte die Farbe. Alles ſchwieg. Man konnte wohl ſehen, daß dem Pitter das Geld an die Seele ging; aber ſollte ihn der Lump überbieten? Nimmermehr!—„Vierzehn!“ donnerte er, und er hoffte, dies gewichtige Wort werde den Kecken zuſammendrücken und den Armen zum Schweigen bringen.
Hubert hatte die Hände krampfhaft gefaltet. Das Gebot war an ihm, und er hatte nur fünfzehn Gulden, Alles in Allem.— „Fünfzehn!“ ſagte nach einer Pauſe der Arme, und alsbald rief eine Stimme, der man den Grimm anhörte:
„Sechzehn!“ Alles hielt den Athem an.
„Siebzehn!“ rief zitternd Hubert. Es war, als wollte die Zahl nicht aus ſeiner Bruſt, und doch rief er ſie in der Verzweif⸗ lung aus.
„Ei, ſo ſoll dich der Donner!“ polterte der übermüthige Pitter. „Hat ein Bettelbub ſiebzehn Gulden für das Mädchen, ſo hab' ich achtzehn!“
„Wenn's Noth thut noch mehr!“ riefen die Jungen von ſeiner Partei aus.„Drauf! Pitter, drauf! Du mußt ſie haben!“
Alle Köpfe richteten ſich auf den armen Hubert, der topten⸗ bleich daſtand.


