die heißglühende Stirne. Sie beobachtete eine Weile mit wech⸗ ſelnder Beſorgniß das reizende Weſen, und ſchlich dann wieder
hinab, das Herz voller Angſt.
Gegen vier Uhr kam ſie wieder. Jetzt ſchlug Annchen matt die Augen auf.„Wie iſt dir's?“ fragte die Mutter beſorgt.
„Ach, ſo weh,“ fagte das Kind und die Thränen floſſen wieder.
Jetzt drängte die Mutter, daß ſie ſich ins Bett lege, und auf ihr Drängen that's Annchen endlich. Der Kopf ſchmerzte ſie ja ſo ſehr!
3 Als es gegen ſechs Uhr ging, zogen die Burſchen mit ihrer Fahne unter die Linde, welche am Ufer der Ahr, von einem freien
Raum umgeben, ſtand. Die Fahne wurde in den Aeſten befeſtigt und unten ſchloß ſich ein Kreis um den kleinen Tiſch, der mit ſechs Stühlen umgeben war. Zur Seite ſtanden noch zwei. Der eine für den Schreiber, der andere für den Maiſchultheiß.
In Gruppen ſammelten ſich jetzt die Väter und Mütter, aber kein Mädchen war ſichtbar. Als nun auch die Jungen von den Dörfern alle verſammelt waren, rief der Schultheiß des vorigen 3
Jahres das zu hegende Mailehen aus und zunächſt die Wahl des Schultheißen, der Schöffen und des Schreibers. Die Wahl ging vor ſich. Schulmeiſters Anton, der auch ein Schulmeiſter werden wollte, wurde Schreiber. Auch die Schöffen wurden gewählt. Nun ging's an den Schultheiß. Pitter empfing die meiſten Stim⸗ men. Einer nur ſah bleich und ängſtlich aus. Es war Hubert. Das Herz pochte ihm, als wollt's die Bruſt ſprengen. Annchen war nun gewiß die Erſte, denn der Schultheiß hatte ja ein Vor⸗ recht, und deſſen begab ſich der hochmüthige Pitter gewißlich nicht.
St! St! ziſchte es rings umher. Das Mailehen beginnt!
„Ich weiß Eine,“ rief mit einer Stentorſtimme Pitter,„die als die Krone der Mädchen oben anſteht. Ihr kennt ſie Alle. Annchen aus dem Hofhaus!“ 63 Der Hofbauer ſchmunzelte vor Luſt. Er ſtand auch im Kreiſe. „Ein Mädchen wie Milch und Blut,“ fuhr Pitter fort.„Ein


