—— Alter iſt recht gut, gehorcht gerne, aber bisweilen lauft ihm die Laus über die Leber ung dann macht er dumme Streiche. Ich will das Mädel dazwiſchen nehmen.
Und als nun der Hofbauer in den Wingert war, wo die Tag⸗ löhner gruben, da rief ſie dem Kinde, während ſie am Herde ſtand und das Gemüſe für die vielen Taglöhner beiwuſch.
Annchen hüpfte fröhlich herzu, weil ſie meinte, hinter ihr Geheimniß ſei Niemand gekommen.
„Hör' mal,“ fing die Mutter an,„ich bin auch jung geweſen und hab' deinen Vater lieh gehabt, aber nachgelaufen bin ich ihm nicht. Pfui der Schande!“
Des Mädchens rothe Wangen wurden zu Schnee. Ach, dachte ſie, gewiß hat uns Jemand in den Weiden belauſcht. Jeſſemarjoſep! was gibt das?— aber ſie ſagte kein Wort und ſah unter ſich, wie ein Hühnerdieb. Nur der Schürzenzipfel wußte vom vielen Knittern zu erzählen und verlor in acht Tagen die Falten nicht!
„Ja, ſieh' du unter dich! du haſt Urſache!“ fuhr ſie fort. „Meine ich, du ſäßeſt droben und machteſt den Mailehenſtrauß oder ſchliefeſt in guter Ruh— da hört dein Vater“—
. Ein:„Ach Zeſſemarjoſep!“ entſchlüpfte den erbleichenden Lip⸗ pen des Mädchens.
„Ja, da hört dein Vater,“ fuhr die ſtrenge Mutter fort,„das
Knarren der Thür. Er ſteht auf und guckt. Richtig, mein Töch⸗
terlein iſt fort!— Da kommt das Gewitter über mich. Ich arme
Frau ſtehe auf und ſehe nach; ſehe mein Töchterlein in des Hubert's Haus, der alten Frau helfen. Das wär' nun ſo ſchlimm nicht; aber um Mitternacht begleitet ſie der Hubert heim und küßt ſie!— Pfui der Schande!“ Ml„ ih
Der Boden unter Annchen's Füßen wankte. Del Kpf ſchwin-
Die arme Sünderin ſtand da, als ſollte eben das Todes⸗
urtheil an ihr vollzogen werden.
Die Mutter ſtand jetzt vor ihr und ſah ſie ſcharf an. Das
fühlte das Mädchen; denn aufzuſchauen hätte ſie nicht vermocht,
wenn's auch das Leben gekoſtet hätte. 5 I.


