Früh am folgenden Morgen war Hubert an dem Plätzchen, wo er ſeine Rumpen geflochten und verſteckt hatte. Er trug eine Axt und einige Pfähle, welche er in dem Theile des Bettes der Ahr, wo weniger das ſtrömende Waſſer lag und wo ein ſandiger Boden das Eintreiben möglich machte, in den Boden einſchlug und zwar nahe genug, um oben darauf eine Steinplatte zu legen. Dieſe war ſchon in den Weiden verborgen. Sie wurde geholt und darauf gepaßt. Als ſie feſt lag, ging er heim und ſetzte ſich in das Gärt⸗ chen, nahe an den dichtgeflochtenen Weidenzaun, um die Netze und Hamen zu unterſuchen und auszubeſſern.
Wohl hatte er ſich nach allen Seiten umgeſehen, ob er nicht die liebe Geſtalt jenſeit der Ahr wahrnähme; aber es blieb ſtille. Sie iſt gewiß im Felde! dachte er und leiſe ſein Lieblingslied: „ſo viel Stern' am Himmel ſtehen“ ꝛc. pfeifend, arbeitete er uner⸗ müdet und vergaß bald Alles, was ihn umgab, in der ſüßen Hoff⸗ nung deſſen, was geſtern Abend der ſchönſte Mund geſagt.
Plötzlich traf ihn ein Steinchen und wieder eins. Er ſah um
ſich und drüben an der Hecke ſtand das liebliche Mädchen und
ſchabte ihm ein Rübchen mit leiſem Lachen.
„Etſch! etſch!“ rief ſie.„Gelt', ich hab' dich einmal geäng⸗ ſtigt? Aber das war dafür, daß du wie eine alte Großmutter mir vorhieltſt, daß ich zu dir kam, du Wüſter, und ich wollte dir doch flechten helfen, damit du nicht zwei Nächte dir den Schlaf brächeſt.“
„Warte nur!“ drohte er hinüber.
„Komm', wenn du Muth haſt!“ lautete die S keck
und herausfordernd, indem ſie die beiden Hände in die Seite und mit ſchelmiſchem Lachen ihn anſah.
In dem Wneulice lagen Netze und Hamen an der Erde und
ſchneller fliegt nicht der Pfeil, von der Sehne geſchnellt, als er über den Steg flog. Als er aber ganz nahe war, klatſchte ſie in die Hände und war eben ſo ſchnell jenſeit des Gartenthürchens
verſchwunden. Dorthin zu folgen fehlte ihm allerdings der mu, denn


