Teil eines Werkes 
1. Band (1850)
Einzelbild herunterladen

Drüben im Hofhauſe war dem Annchen geſagt worden: es ſchickt ſich nicht! der Hubert iſt arm und du biſt reich!

Hüben in dem Fiſcherhäuschen ſagte die Mutter:Kind, häng' deine Seele nicht an das herzliebe Annchen. Es iſt nicht für dich!

Die Beiden meinten: das ſei alles tolles Zeug, und küm⸗ merten ſich nichts darum; aber die Alten waren ſchuld, daß ſie ſich nun heimlich ſagten: ſie hätten ſich lieb. Ob das beſſer war?

Dort alſo waren jetzt wieder Hubert's Gedanken, während ſeine Hände Rumpen flochten.

Und warum flocht er ſo viel eifriger als ſonſt? Das hatte auch ſeine zureichende Urſache.

Der letzte April war xghe. Annchen hatte geſtern geſagt, als ſie mit ihm bei den Weiden im Garten ſtand:wirſt du mich als Mailehen ſteigern? ich will ja mit keinem Andern tanzen, keines Andern Schatz ſein!

Er hatte tief aufgeſeufzt. Fünf Gulden hatte er ſich erſpart;

aber was waren fünf Gulden? für das bildhübſche Mädchen gab jeder zehn, und des Krakel's Peter, der ſo reich war, gab noch mehr; denn er ging ihr auf Schritt und Tritt nach und überall zu Gefallen, ſie mochte nun nach ihm ſehen oder nicht. Er war kein übler Junge; auch nicht uneben in ſeinem Thun und Laſſen, und jedenfalls der reichſte Junge im Flecken. Der alte Krakel machte ſeine zehn Faß Bleichart, und in guten Jahren noch mehr, hatte die beſten Wieſen und Aecker und fuhr mit zwei Gäulen, während Annchen's Vater nur Ochſen im Joch führte.

Alle Mädchen im Flecken hätten mit beiden Händen nach ihm gegriffen; nur Annchen nicht, weil weil Hubert trotz ſeiner Vrmuth ihr lieber war. Da lag's!

Die Liebe hat kein Geſetz und folgt auch keinem. Sie macht's eben wie der Paſtor von Ahrweiler, ſagen die Altenahrer, und wenn man weiter fragt: wie macht denn der's? ſo ſagen ſie: grad, wie er will! Das iſt ſo eine Redensart, aber ſie ſagt eben, daß da kein Geſetz gilt. Aber daß ſie blind ſei, iſt doch eines

g8 dumm, denn das Annchen ſah recht wohl, daß Hubert