286 Ernſt Andolt.
machte; aus meiner Verehrung und Freundſchaft für ihn ließen ſie ſich nicht wohl erklären, ſeitdem er auf längere Zeit in Geſchäften verreiſt war. Als er zurück⸗ gekommen, hatten wir ein langes Geſpräch unter vier
Augen, in welchem wir uns Beide ein wenig ereiferten:
der Baron war nicht ganz frei von Adelsvorurtheilen; trotzdem rief er am Schluſſe der Unterredung: Wohlan, das Mädchen mag ſelbſt entſcheiden; im Grunde gönn' ich ſie Ihnen ja vom Herzen. Und wenn es dort oben geſchrieben ſteht, daß Anna von Halden und der Land⸗
prediger von Neu⸗Wakefield ein Paar werden ſollen,
ſo läßt ſich nichts dagegen machen, und dem zuletzt gefragten Vormund bleibt nichts übrig, als ſein Jawort zu ſprechen.
Und es ſtand allerdings oben geſchrieben; und als
ich einige Wochen ſpäter in der gedachten Gartenlaube
zu Dreien ſaß, ohne an die Predigt für den nächſten Sonntag zu denken,— da fehlte mir wirklich nichts mehr.
Mit dieſen Worten endigte der Paſtor ſeine Er⸗ zählung, während draußen der Wächter die zwölfte Stunde rief.
Und was iſt aus dem Referendar geworden? fragte der Major.
Er ſtarb vor einigen Jahren als Regierungsrath!
Und von dem Amtmann haben Sie wohl nichts weiter gehört?
Nur, daß er in derſelben Woche, als ich Hochzeit hielt, ſeine Verbindung mit der„Mamſell“ feierte, bei welcher Gelegenheit ſich der Verwalter ſtark betrunken haben ſoll.
Und dieſe ganze Geſchichte wäre wahr? fragte Fräu⸗ lein Antonie. Nein, nein, Herr Paſtor, ich kann es nicht glauben; es fügt ſich Alles darin zu wunderbar


