Eine Nacht. 285
ſogleich jene Ihnen ſo unheimliche Thür verſchließen und, wenn Sie es wünſchen, vernageln laſſen.— Nicht doch, verſetzt' ich eifrig, ich weiß ja nun nach eigener Erfahrung, was dahinter iſt, und werde ſicherlich keine neue Entdeckungsreiſe in jenes Gebiet unternehmen. Außerdem haben die Begebenheiten jener Nacht mich von meiner Furchtſamkeit geheilt; ich weiß jetzt: Nie⸗ mand entgeht ſeinem Schickſal.
Ein wahres Wort, erwiderte der Baron, und man könnte mit Diderot's Jaques le fataliste ſagen: Es ſtand dort oben geſchrieben, daß Sie nicht in dieſem Bette ſchlafen, daß Sie in einem Heuſchober übernachten und aus demſelben ins Gefängniß wandern ſollten.— Nun, ich lobe jetzt die Wanderung; hat ſie mich doch ans Ziel meiner Wünſche geführt.
Wir umarmten uns herzlich und kehrten zu den Damen zurück.
Soll ich noch erzählen, wie wir Tags darauf zu dem Graſen S. fuhren, wie derſelbe mich überaus gütig empfing und das dem Baron gemachte Verſprechen erneuerte?— Es genüge, daß ich nach einigen Wochen als ordinirter Prediger mit meiner überglücklichen Mut⸗
ter in dem freundlichen Pfarrhauſe zu—dorf ſaß. Der
Baron hatte dasſelbe in meiner Abweſenheit aufs Herr⸗ lichſte in Stand ſetzen laſſen; es war weit ſtattlicher und größer als das, welches ich mir in meinen Träu⸗ mereien erbaut hatte. Auch war ein kühler, ſchattiger Garten dahinter mit einer Laube, zwar nicht von Geis⸗ blatt, aber von andern, auch ganz artigen Schlinggewäch⸗
ſen. Und als ich an einem ſchönen Maimorgen neben
meiner Mutter in beſagter Laube am Kaffeetiſch ſaß
und die Predigt für den nächſten Sonntag meditirte, da fehlte mir wirklich nichts mehr, um der glücklichſte Erdbewohner zu ſein. Doch nein, Etwas fehlte mir noch. Das bewieſen ſchon die häufigen Spaziergänge, welche ich oft beim ſchlechteſten Wetter, nach dem Schloſſe des Barons


