Ernſt Anbolt.
lichen Gefühlen alle Ehre— aber ich muß darauf drin⸗ gen, daß Sie vor der Hand erſt mit mir nach meinem Gute und von da zum Grafen S. fahren, um ihn per⸗ ſönlich von der Annahme der für Sie beſtimmten Pfarre zu benachrichtigen. Nebenbei beſehen wir uns mit Muße das Pfarrhaus und die Kirche; Sie machen die Be⸗ kanntſchaft Ihrer künftigen Gemeinde— und dann mögen Sie mit Gott heim reiſen, um bald auf längere Zeit zu uns zurückzukehren.
Ich folgte ſeinem Rathe; nachdem ich einen Brief an meine Mutter auf die Poſt gegeben, fuhren wir dem Gute des Barons zu, wo wir gegen Abend anlangten. Mit welchen Gefühlen betrat ich jene Schwelle und die breite Hausflur!— die braunen Hirſchköpfe an den Wänden ſchienen mir freundlich zuzunicken als alte Be⸗ kannte; auch der Goliath erſchien, ganz wie damals, mit dem mächtigen Armleuchter in der Hand, um uns in ſteifer Haltung vorauszuſchreiten. Bei meinem An⸗ blick ſpielte um ſeine Lippen ein wohlgefälliges Lächeln, welches jedoch gleich wieder in dem feierlichen Ernſt ſeiner Miene verſchwand.
Ich bat mir als beſondere Gunſt aus, auf dem⸗ ſelben Zimmer einquartiert zu werden, auf welchem ich bei meinem früheren Beſuch übernachtet— oder viel⸗ mehr nicht übernachtet hatte. Als mich der Baron ſelbſt dahin führte, fragte er plötzlich:
Aber nun, zum Henker! erklären Sie mir, wie Sie in jene Scheune gelangten, wo ich Ihnen beinah auf den Kopf ſprang— ich habe mir das immer nicht erklären können.
Ich machte ein ziemlich verlegenes Geſicht zu die⸗ ſer Frage und ſuchte anfangs Ausflüchte; dann aber geſtand ich meinem Gaſtfreund offen den wahren Zu⸗ ſammenhang und meine lächerliche Vorſicht, die mir ſo
verhängnißvoll werden ſollte. Er lachte recht herzlich darüber. Und damit Sie nicht wieder, ſagte er, eine ſchlafloſe Nacht unter meinem Dache zubringen, will ich


