Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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Eine Nacht. 283

merung brach allmählich herein wie ähnlich, und doch wie verändert! Die Geſpräche im Wagen waren freilich auch dies⸗

mal traurig ernſter Natur; der Baron mußte dem Fräu⸗ 5

lein von ihrem Vater und den näheren Umſtänden ſeines Endes erzählen; die Dunkelheit verbarg ihre Thränen.

Ziemlich ſpät am Abend erreichten wir Halber⸗ ſtadt, wo wir in einen anſehnlichen Gaſthhof einfuhren. Die Baronin, eine noch hübſche Frau von einnehmen⸗ den Geſichtszügen, empfing uns und war anfangs über meine Erſcheinung nicht wenig erſtaunt; aber kaum hatte der Baron meinen Namen genannt, als ſich in ihrem Antlitz die freudigſte Ueberraſchung malte, und ſie mich mit der aufrichtigſten Theilnahme als den Retter ihres Gemahls begrüßte.

Ich war nicht ſein Retter, gnädige Frau, ver⸗ ſetzte ich gerührt; mein ganzes Verdienſt beſchränkt ſich darauf, daß ich nicht ſein Verräther werden wollte. Aber der Baron iſt heute in der That mein Retter geweſen.

Sie wünſchte Aufklärung über die letzte Andeu⸗ tung; aber ich verſchob ſolche auf eine paſſendere Zeit.

Nach einem vergnügten Souper, bei welchem der Baron viel von dem Kriege in Rußland und von der furchtbaren Kälte jenes verhängnißvollen Winters daſelbſt erzählte, während das Kniſtern und Praſſeln in dem geräumigen Windofen zu ſeinen Schilderungen eine an⸗ genehme Begleitung bildete, zogen ſich die Damen zurück. Ich wollte mich nun ebenfalls verabſchieden; mein tapferer Freund beſtand aber darauf, noch einige Fla⸗ ſchen mit mir zu leeren.

Am andern Morgen wollte ich von dieſen mir ſo theuer gewordenen Perſonen Abſchied nehmen, um nach meiner Heimath zu reiſen und meiner Mutter das mir wiederfahrene Glück zu verkünden.

Das geht nicht an, ſagte der Baron; Ihren kind⸗