Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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Eine Nacht. 279

Mit welchem Rechte, fragte er langſam, miſchen Sie ſich eigentlich in fremde Familienangelegenheiten? 5e7 5 Zunächſt mit dem Rechte einer langjährigen Freund⸗ ſchaft, welche zwiſchen dem Vater dieſer Dame und mir beſtanden.

Darauf giebt das Geſetz gar nichts Freund⸗ ſchaft hat keine legale Wirkungen.

Sie haben Recht; und da auch Herrn von Halden dieſe Bemerkung nicht entging, verſäumte er nicht, vor ſeiner Abreiſe nach Rußländ bei dem königlichen Ge⸗ richt zu Steinau ein Teſtament zu deponiren, in welchem er mich für den Fall ſeines Todes zum Vormund des Fräuleins ernannte.

Ein Teſtament! Vor mund lallte der Amt⸗ mann und ſank wie gelähmt in ſeinen Seſſel zurück.

O Gott, es kränkt ihn, rief Fräulein von Halden bewegt; und neben ihm niederknieend ergriff ſie die Hand des alten Mannes und ſuchte ihn zu begütigen. Vormund oder nicht, Onkel, ſprach ſie, ich werde nie vergeſſen, was ich Ihnen ſchuldig bin.

Bitte nehmen Sie Platz, meine Herren, ſagte der Amtmann mit einer Handbewegung. Wo iſt Jo⸗ hann? Er ſoll die Pferde des Barons in den Stall bringen!

Nicht doch, Herr Amtmann, ſagte der Baron, ich gedenke ſogleich mit dem Fräulein abzureiſen; nach dem Empfange, welcher mir von Ihnen zu Theil wurde, will ich Sie nicht länger beläſtigen.

Entſchuldigen Sie mich; bedenken Sie, Herr, wie konnt' ich wiſſen Geſtatten Sie mir wenigſtens einen Blick in das Teſtament meines Schwagers Sie werden es doch ohne Zweifel 52

Mitgebracht haben. Allering⸗ und zwar in ge⸗ richtlich beglaubigter Abſchrift. Hier, leſen Sie mit Muße, indeſſen Sie, gnädiges Fräulein, Ihre Reiſe⸗ vorbereitungen machen werden nicht ſo?