Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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Eine Nacht. 277

aus der Drachenhöhle erlöſen auch ohne das Horn des Hüon zu beſitzen. Doch nun zu Ihren eigenen Angelegenheiten, mein wackerer Freund! Würden Sie mit einer Landpfarre vorlieb nehmen?

Landpfarre? Vorlieb nehmen? ſtammelte ich; Sie ſcherzen, Herr Baron!

Nein! ich gönnte Ihnen lieber eine Profeſſur, oder ein höheres Kirchenamt, wo Sie Ihr Licht beſſer leuch⸗ ten laſſen könnten, als vor einer Dorfgemeinde. In⸗ deſſen, vor der Hand, meinte ich

Mein Gott! die beſcheidenſte Landpfarre würde mich zum glücklichſten Menſchen machen!

Vortrefflich! In der Nähe meines Gutes iſt eine eröffnet, welche Graf S. als Patronatsherr zu verge⸗ ben hat. Ich habe mich ſchon bei dem Grafen für Sie verwandt; als ich ihm Ihr edles Benehmen in jener denkwürdigen Nacht erzählte, war die Sache im Reinen. Aber leſen Sie denn keine Zeitung? Seit drei Wochen ruf' ich Ihnen in ſechs öffentlichen Blät⸗ tern ein flehentlichesSamiel, erſcheine! zu, und Sie laſſen nichts von ſich hören.

Der Baron erſchrak faſt über die Bewegung, welches dieſes neue Glück in mir hervorbrachte. Ich zitterte, wurde blaß und roth und ſuchte vergebens nach Worten. Aber wurd' ich nicht auch an dieſem Tage aus dem Füllhorn der ewigen Güte wie mit einem Frühlingsregen überſtrömt? Wenn ich daran denke, ſtaun ich noch heute, wie viel Freude auf ein Mal der Menſch zu ertragen vermag.

Kaum bemerkt' ich, daß wir bereits im Hofe des Amtmanns hielten. Ich geſtehe, daß ich eine Anwand⸗ lung von Eitelkeit fühlte, ſo im Triumph dort wieder zu erſcheinen.

Sie gehen mit mir, ſagte der Baron, ich wünſche bei der Verhandluug mit Herrn O. einen Zeugen zu haben.

Der im Hofe ſtehende Kutſcher des Amtmanns, welcher eben ſeine Pferde ausgeſpannt hatte, ſtarrte