272 Ernſt Andolt.
Verwalter, welcher den Koffer bereits befeſtigt hatte, erwartete.
Nun, Glück auf! ſagte er, als ich in den Wagen ſtieg.
Sagen Sie Ihrem Principal, ich müſſe ſein Be⸗ nehmen für unwürdig erklären und würde ihm Gelegen⸗ heit geben, es zu bereuen..
Mit dieſen Worten, welche der Verwalter gewiſſen⸗ haft zu beſtellen verſprach, fuhr ich von dannen.
Der eiſige Nordwind kühlte meine erhitzte Stirn. Die Caleſche fuhr langſam durch den hohen Schnee. Meine Stimmung wurde immer düſterer: wie ein Lump aus dem fremden Hauſe geſtoßen, in der peinlichſten Angſt für die geliebteſte Perſon, welche nun ganz den Launen eines herzloſen Tyrannen preisgegeben war, ohne Hoffnung für die nächſte Zukunft fühlte ich mich recht von Gott und Welt verlaſſen. Die ſchrecklichſten Verſuchungen gingen damals durch meine Seele; in dem Gefühle meiner Ohnmacht haſcht' ich gierig nach jedem Mittel der Rache, welche mir meine erhitzte Phan⸗ taſie vorſpiegelte; dann wieder überkam mich eine eis⸗ kalte Verzweifluug. Ich vermochte nicht zu beten; ich war nahe daran, zu läſtern.— Gütiger Gott! wie be⸗ ſchämteſt du mich!
Ich empfand einen heftigen Stoß, hörte ein Ge⸗ räuſch und einige Flüche. Aus meiner Erſtarrung auf⸗ fahrend, ſah ich, daß mein Kutſcher mit einem uns ent⸗ gegenkommenden Fuhrwerk zuſammengefahren war. Beide Kutſcher ſchimpften einander, als eine tiefe Baßſtimme aus dem fremden Wagen rief: Schock Schwerenoth! Statt zu raiſonniren, ſeht zu, wie ihr aus einander kommt. Und ein in einen Pelz gehüllter Mann mit einem gewaltigen Schnurrbart ſah mit funkelnden Augen über den Bock hervor. Seine Erſcheinung ſchien auch meinem Phaeton zu imponiren, und beide Wagenlenker bemühten ſich, ſeiner Weifung zu genügen. Ihre An⸗ ſtrengungen wurden durch einen ſchnellen Erfolg be⸗ lohnt, und eben waren wir im Begriff, friedlich an


