Eine Nacht. 271
Ich werde ſeine Rückkehr erwarten.
Sie werden ſofort abreiſen. Die Caleſche iſt an⸗ geſpannt.
Und wenn ich mich weigere?
Dann würde ich mich genöthigt ſehen, Sie mit Gewalt über die Grenze des Guts zu ſchaffen. Kann ich Ihnen beim Packen des Koffers behülflich ſein?
Ich danke Ihnen ich werde das ſelbſt beſorgen.
Beeilen Sie ſich gefälligſt! Die Caleſche iſt ange⸗ ſpannt.
Mit dieſen Worten verließ mich der ſeines Herrn würdige Diener; ich hätte mich an ihm vergreifen kön⸗ nen; aber ſeine athletiſche Geſtalt flößte mir Mäßigung ein. Ich begann meine geringen Habſeligkeiten zu packen, ſchrieb dann raſch einige Zeilen an Fräulein von Halden, worin ich ihr meine erzwungene Entfer⸗ nung anzeigte mit dem Verſprechen, das Aeußerſte auf⸗ zubieten, um ſie baldigſt aus der Gewalt des Tyran⸗ nen zu befreien. Ich hatte dieſes Schreiben eben ver⸗ ſiegelt, als der Verwalter wieder eintrat.
Fertig? fragte er mit cyklopiſchem Lächeln.
Sogleich. Wenn Sie die Güte haben wollen, mei⸗ nen Koffer zu verſchließen, werd' ich unterdeſſen eines meiner Bücher ſuchen, welches in einem andern Zim⸗ mer liegen muß.—
O, ich verſtehe, Sie wollen den Brief da an ſeine Adreſſe beſorgen. Nun, Herr Candidat,— ich mein' es im Grund nicht böſe, obgleich mich dieſes ſumma⸗ riſche Verfahren des alten Herrn königlich amüſirt. Aber es kann ihm nichts ſchaden, wenn Sie ihm einen gro⸗ ben Brief unters Sophakiſſen ſtecken. Ich weiß von nichts. Den Koffer will ich unterdeſſen beſorgen.
Ich eilte auf das Zimmer des Fräuleins, ſchob den Brief unter ein auf der Toilette liegendes Schnupftuch und ging nach einem wehmüthigen Blick auf die heilige Stätte die Treppe hinunter in den Hof, wo mich der


