Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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270 Ernſt Andolt.

ziehung meiner Söhne verwendeten Eifer und den Fort⸗ ſchritten derſelben zufrieden zu ſein, ſo ſehr ich mithin aus väterlichen Rückſichten die Fortdauer dieſes Ver⸗ hältniſſes wünſchen möchte, ſo beſitzen Sie, mein ver⸗ ehrter Candidat, doch zu viel Zartgefühl, um nicht zu begreifen, daß wir uns von einander trennen müſſen. Sie kennen die Abſichten, welche ich für das Wohl der Nichte meiner vom Schauplatz dieſer Erde zu früh ab⸗ gerufenen Gattin gefaßt habe. Dieſe Abſichten ver⸗ tragen ſich nicht mit dem Benehmen, welches Sie gegen Fräulein von Halden beobachten. Ich verzeihe Ihrer Jugend, daß Sie für die Reize meiner Nichte nicht unempfindlich ſind; Sie werden jedoch als ehrlicher Mann fühlen, daß dieſes Verhältniß für beide Theile geführlich iſt. Sie werden vielleicht bei dieſen unglück⸗ lichen Zeitläuften nie in die Lage kommen, eine Frau ernähren zu können; Sie ſind mir daher zum Danke verpflichtet, daß ich Ihrem Herzen den Kampf mit der Pflicht erſpare und Sie erſuche, ſofort nach Empfang dieſes Schreibens mein Haus zu verlaſſen. Das ein⸗ jährige Honorar von 12 Louisdor füg' ich zur gefäl⸗ ligen Empfangnahme bei und bitte, die einliegende Quit⸗ tung unterzeichnen und dem Ueberbringer einhändigen zu wollen.

Mit ausgezeichneter Hochachtung und den beſten Segenswünſchen für Ihre fernere Zukunft der Ihrige ꝛc.

Ich war wie verſteinert; ich fühlte, wie mir die Schamröthe über eine ſolche Behandlung ins Geſicht ſtieg; ich war unſchlüſſig, wie ich dieſem Schlage be⸗ gegnen ſollte.

Die Caleſche iſt ſchon angeſpannt, ſagte der Ver⸗ walter mit höhniſchem Lächeln.

Ich werde nicht abreiſen, bevor ich Herrn H. ſelbſt geſprochen habe, rief ich in heftiger Aufwallung. Der Herr Amtmann hat Ordre hinterlaſſen, ſeinen Willen auf alle Fälle zu vollziehen. Die Caleſche iſt angeſpannt.