Ernſt Andolt.
Hof aus, wo der Kampf noch fortdauerte, ein Schuß durch das Fenſter, welcher mich in den rechten Arm verwundete. Ich fühlte meine Beſinnung ſchwinden und ſank zu Boden, das Bild mit letzter Kraft feſt an mich drückend.
Als ich aus meiner Betäubung erwachte, begeg⸗ neten meine Blicke dem zarten Antlitz des Fräuleins, welche mit zarter Hand meinem verwundeten Arm einen Verband anlegte. Ich befand mich auf einem Sopha ausgeſtreckt im Zimmer des Amtmanns, welches noch die Spuren der Verheerung trug. Ueber mich gebeugt ſtand die Mamſell, die mir die Stirn mit Spi⸗ ritus rieb.
Bei meinem Erwachen that das Fräulein einen Freudenſchrei; ich ſah, daß an ihren Wimpern Thrä⸗ nen hingen.
Von den Fragen üher mein Befinden, Dankſagun⸗ gen, zärtlichen Vorwürfen und Selbſtanklagen, die nun folgten, will ich ſchweigen; ich fühlte mich als der glück⸗ lichſte Sterbliche; der geringe Schmerz meiner Wunde diente nur, meine Seligkeit zu erhöhen. Das gerettete Bild lag unbeſchädigt neben mir auf dem Tiſche. Durch den Ueberfall der Huſaren waren die Ma⸗
rodeurs verhindert, die Gebäude in Brand zu ſtecken, was ſie ſonſt wohl aus Rache gegen den Beſitzer, welcher ſeine Werthgegenſtände ſo wohl verborgen hatte, nicht verſäumt haben würden. Der Amtmann tröſtete ſich über ſeine zerſchlagenen Möbel mit ſeinen— er allein wußte, wo— vorſorglich vergrabenen Schätzen. Die Preußen waren zu ſeiner Freude nach einigen Erfriſchungen aus Küche und Keller abgezogen; nur ein bleſſirter Huſar blieb zurück. Gegen Abend erſchien der aus dem nächſten Flecken herbeigeholte Wundarzt; er erklärte meine Wunde für nicht gefährlich, verordnete aber die größte Vorſicht und Schonung. Meine krie⸗ geriſchen Pläne mußt' ich alſo einſtweilen aufgeben. Die Söhne des Amtmanns betrachteten die Ferien, welche


