Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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Eine Nacht. 267

einander an. Wo iſt ſie? fragte der Soldat, welcher mich gefaßt hatte.

Sie iſt nicht hier, verſetzt' ich, ſie iſt auf einem benachbärten Gute, wo ſie eine Freundin beſucht. Hätte ſie eine Ahnung von dieſem Ereigniß gehabt, würde ſie jenes Bild mit ſich genommen haben. Sie würde un⸗ tröſtlich ſein, wenn ſie es bei ihrer Rückkehr nicht fände. Aber ich hoffe, ihr ſagen zu können: Hier, mein Fräu⸗ lein, das Bild des Majors, Ihres Vaters franzö⸗ ſiſche Krieger gaben es mir zurück, als ſie erfuhren Genug, rief der Sappeur, nehmt das Bild, junger Mann. Wer ſeid Ihr?

Ich bin ein armer Teufel, verſetzt' ich, ich unter⸗ richte die Kinder des Gutsherrn.

Wo iſt er?

Schon ſeit einer Stunde entflohen er hatte von eurem Herannahen erfahren. Ich kehrte zurück, weil mir das Bild des Fräuleins in den Sinn kam.

Wo iſt das Geld vergraben? Ihr wißt es! rief Der, welcher mich noch immer hielt, mit ſchrecklicher Stimme.

Wie ſoll ich das wiſſen! verſetzt ich, durchſucht mich nehmt, was ihr findet. Ich habe nichts als meine Armuth!

6 Laßt ihn! rief der alte Sappeur. Gebt ihm das ild.

Der, welcher mich ſeſthielt, ließ mich los, zog mir aber dabei meine Uhr aus der Taſche und ſteckte ſie in die ſeinige. Der Sappeur runzelte die Stirn und machte eine Bewegung gegen ihn, als plötzlich unten ein Ruf ertönte: Der Feind! zu den Waffen!

Die drei Soldaten eilten hinaus. Preußiſche Hu⸗ ſaren ſprengten in den Hof und ſchlugen ſich mit den Marodeurs herum; ich nahm das Bild und eilte hinun⸗ ter, um aus dem Hauſe zu entkommen, weil ich fürch⸗ tete, die Plünderer möchten es angezündet haben.

Als ich auf die Hausflur gelangte, fiel von dem