266 Ernſt Andolt.
ich war entſchloſſen, das Bild zu retten, ſollt' es mein Leben koſten. Das Haus wimmelte von Soldaten in halbzerriſſener Uniform, von verwildertem Ausſehen. Fluchend waren ſie beſchäftigt, Schränke und Kommoden aufzuſchlagen und zu durchwühlen. Ich gelangte, ohne beachtet zu werden, bis in das Zimmer des Fräuleins, wo das Porträt über ihrem Bette hing. Zwei der Marodeurs wühlten in dem erbrochenen Secretär und ſtarrten mich verwundert an, als ich mit einem Sprunge das Bild vom Nagel riß und damit forteilen wollte. Ein in dieſem Augen⸗ blick eintretender Soldat verſperrte mir den Ausgang, während die beiden in dem Zimmer beſchäftigten auf mich losſtürzten und mir das Bild entriſſen. Es iſt etwas von Werth darin! rief der Eine in franzöſiſcher Sprache, indem er es unterſuchte. Wer ſeid Ihr? wo habt Ihr das Geld verſteckt? donnerte mich der Andre an, mich an der Bruſt packend? Hört mich! rief ich in ihrer Sprache, ihr ſollt Alles erfahren! Aber verſchont das Bild.— Es ſteckt nichts darin, verſetzte Der, welcher es
unterſucht hatte, indem er es gegen das Licht hielt. Das iſt ein Officier! fügte er hinzu, den Kopf be⸗ trachtend.
Es iſt ein Officier, verſetzte ich; er ſchläft auf dem Felde von Borodino bei ſo vielen eurer Brüder!
Bei Borodino, ah! rief der zuletzt eingetretene Krieger, ein graubärtiger Sappeur; ich war dort.
Er kämpfte unter den Fahnen eurer Feinde, fuhr ich fort; es war für die Freiheit ſeines Landes, und er ſtarb als braver Soldat. Das Bild iſt das einzige Andenken, welches ſeiner Tochter— einer armen Waiſe von ihm geblieben. Sie erwartet von den Soldaten der großen Armee, daß ſie ihr dieſes einzige Erbtheil nicht entreißen werden.
Das Wort ſchien zu wirken; die Soldaten ſahen


