Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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Eine Nacht. 265

Eines Tages, gegen Ende des Oktobers, ſaßen wir beim Mittagsmahle, als der Schäfer des Gutes athemlos und leichenblaß ins Zimmer ſtürzte.

Sie kommen! rief er zitternd, rettet euch, ſie ſind ſchon im Dorfe, rauben und morden! das Haus des Schulzen brennt lichterloh!

Wer? die Koſacken? rief der Amtmann entſetzt.

Rein, Franzoſen, verſetzte der Schäfer und lief aus der Stube.

Eine verſprengte Schaar franzöſiſcher Krieger war in das benachbarte Dorf eingebrochen; vom Fenſter aus ſah ich eine große Rauchwolke aus demſelben aufſteigen.

Der Amtmanu war aufgeſprungen und in ein Nebenzimmer geeilt. Mit Hut und Stock, in der Hand einen Korb mit ſilbernen Löffeln, trat er wieder ein.

Laſſen Sie das Vieh in den Wald treiben! Schnell! rief er dem Verwalter zu.

Ihr Uebrigen folgt mir! In den Wald!

Er eilte voraus, wir ihm nach. Ich blieb dem Fräulein, welche die meiſte Ruhe zeigte und den jüngſten Sohn des Amtmanns am Arm führte, immer zur Seite.

Wir gelangten durch den Garten aus einer Hinter⸗ thür ins Freie; wir ſahen von dort, wie die Plünderer vereits in das Gehöft drangen.

Sie werden Alles verbrennen! jammerte der Amt⸗ mann. Fort! fort! Vir eilten durch eine Wieſe dem nahen Gehölze zu.

O Gotti das Bild meines Vaters! rief plötzlich Anna erbleichend und die Hand des Knaben fahren laſſend, ich muß zurück.

Unſinn! donnerte der Amtmann, ihren Arm er⸗ greifend.

Ich bring' es Ihnen! rief ich ſchnell und lief nach dem Garten zurück.

Nein! nein! rief ſie mir mit flehender Stimme nach; aber ich hörte nichts mehr, ſprang über den Zaun und eilte durch den Garten nach dem Hauſe zurück;