262 ernſt Andolt.
mein junger Freund, die Ehe iſt ein durch und durch praktiſches Inſtitut.
Sie dächten wirklich daran, Fräulein von Halden—
Zu heirathen, ja. Es iſt wahr, ſie hat kein Ver⸗ mögen, und das hat mich einen Augenblick zweifelhaft gemacht. Aber grade darum iſt es zugleich ein gutes Werk. Ihr Vater wird es mir im Himmel Dank wiſſen, falls es überhaupt eine Fortdauer nach dem Tode giebt, was ich für ungewiß halte.
Aber bedenken Sie den Abſtand— der Jahre, wollt' ich ſagen, fürchtete aber den Amtmann zu be⸗ leidigen.
Welchen Abſtand? fragte er verächtlich. Sie meinen wohl ihren Adel?— Nun das Vorurtheil ſind wir zum Glück auch durch die Franzoſen losgeworden. Vor der Hand leben wir noch im Königreich Weſtphalen, wo es den Unſinn von Standesunterſchieden nicht giebt. Bürgerliche Gleichheit, heiliges Palladium der menſch⸗ lichen Geſellſchaft!
Er blickte wie verklärt um ſich: Ja, mein Herr, noch beſitzen wir es, dieſes werthvollſte Gut des Staats⸗ bürgers. Noch haben es uns Ihre preußiſchen„Frei⸗ heitskämpfer“ nicht wieder entriſſen.
Wie können Sie glauben, rief ich entrüſtet, daß ich die Wiederkehr der alten Mißbräuche wünſchte!— Ich meinte auch keineswegs dieſe Bedenken— ich wollte ſagen— ich dachte an die nahe Verwandtſchaft.
Darüber ſeien Sie außer Sorge. Das Fräulein iſt nicht meine leibliche Nichte, ſondern lediglich die meiner verſtorbenen Frau— Gott habe ſie ſelig! Als künftiger Prediger ſollten Sie wiſſen, daß ein ſolches Verhältniß kein Ehehinderniß iſt. Mein Advveat hat mich längſt über dieſen Punkt aufgeklärt.
Ich weiß das, verſetzte ich ein wenig piquirt;
trotzdem widerſpricht eine ſolche Ehe unſerm Gefühle— Dem Ihrigen vielleicht— dem meinigen nicht, und darauf kommt es lediglich an.


