Eine Nacht. 261
der naiven Unbefangenheit ſeines Egoismus aufklärte. Ich ſaß mit ihm in der Gartenlaube beim Kaffee. Fräulein von Halden hatte uns eben verlaſſen, um ſich mit einem Bande von Jean Paul in ihre Einſiedelei zurückzuziehen.
Schade, ſagte Herr O., daß ſie ſo wenig Sinn für die Wirthſchaft hat. Die verdammten Bücher— ich möchte ſie alleſammt verbrennen.
Ich äußerte beſcheiden, daß ſich das Fräulein ohne Zweifel gern der Wirthſchaft mit annehmen würde, wenn ſie es nicht aus Rückſicht für die Haushälterin unter⸗ ließe.
Die könnte ſie ja mit der Zeit erſetzen bemerkte der Amtmann. Jedenfalls wird ſich Mamſell trotz ihres Eigenſinnes bald darein finden müſſen, unter der Con⸗ trole einer Herrin zu ſtehen, wie es früher war bei Lebzeiten meiner Frau.
Beabſichtigen Sie vielleicht— die Frage ſtockte mir zwiſchen den Lippen.
Mich wieder zu verheirathen; allerdings, mein lie⸗ ber Candidat. Ich habe auch bereits meine Wahl ge⸗ troffen. Schade, daß Sie noch nicht Paſtor ſind, ſonſt ſollten Sie die Trauung beſorgen.
Ich würde mich glücklich ſchätzen, einen ſo ehren⸗ vollen Auftrag zu vollziehen, verſetzt, ich lächend; übri⸗ gens hab' ich für die Perſon der Braut nicht die lei⸗ ſeſte Ahnung. Ich erinnere mich, nie Damenbeſuch auf dem Gute geſehen zu haben, ſo lang ich hier bin.
Sie ſehen wie gewöhnlich den Wald vor Bäumen nicht; Sie ſuchen immer in der Ferne, ſtatt zu ſehen, was ſich vor Ihren Augen begiebt.
Ich erſchrak.
Das Mädchen, fuhr er ruhig fort, hat allerdings ihre etwas abſonderlichen Liebhabereien, ſchwärmt gern in unpraktiſchen Ideen und ſchwatzt über Dinge, über die ein Frauenzimmer keine Meinung haben ſoll; in⸗ deſſen in der Ehe giebt ſich das. Glauben Sie mir,


