Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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Eine Nacht. 259

Proben ihrer Begeiſterung und kriegeriſchen Tüchtigkeit abgelegt hatte, im Beſitz der Oder⸗ und Elbfeſtungen, hinter ſich die ihm noch immer ergebenen Staaten des Rheinbundes kein Wunder, daß der Glaube an ſeine Unüberwindlichkeit in den Gemüthern der Men⸗ ſchen wieder auflebte!

Für den Verluſt meiner politiſchen Hoffnungen tröſtete ich mich mit dem Gedanken, daß es mir nach Wiederherſtellung des Friedens gelingen werde, mit Gottes Hülfe einen eigenen Herd zu gründen. Ich malte mir in glücklichen Träumereien ein ſtilles, von Linden umſchattetes Pfarrhäuschen, abſeit von dem Lärm der Welt, ein Gärichen am Ufer eines rauſchenden Baches und in der Geisblattlaube drei ſelige Menſchen. Daß zwei dieſer Perſonen meine Mutter und ich ſein würden, iſt leicht zu errathen; wer die dritte, war mein

Geheimniß. Gegen den Amtmann äußerte ich nichts

von dieſen Träumen; über die politiſchen ließ ich ihn nach Herzensluſt ſpotten. Ja, ich begann mehr und mehr ſeine quietiſtiſche Weltanſicht zu theilen, Wie wenig, ſagte ich mir, gewinnt bei der politiſchen Größe und Macht eines Staates das Wohlſein der Individuen! Der Einzelne wird ſein Glück immer für ſich unab⸗ hängig von den öffentlichen Angelegenheiten ſuchen müſ⸗ ſen; ſein Königreich find doch immer nur die vier Pfähle, innerhalb deren er hauſet.

Aus dieſen Träumereien weckte mich die Kunde von dem Wiederausbruch des Krieges; das Geſicht meines Brodherrn verzog ſich dabei in düſtere Falten, und ſeine grauen Augen blickten mißtrauiſcher als je. Die Welt iſt toll, murmelte er wiederholt mit einem tiefen Stoßſeufzer: das einzige vernünftige Volk lebt in Amerika; könnt' ich mich doch mit meinem Grund und Boden dahin verſetzen!

Seine Stimmung wurde immer ſchwärzer Nie⸗ mand konnte es ihm recht machen; Kinder und Geſinde hatten viel zu leiden; ich nicht minder, ſo daß ich mehr

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