Ernſt Andolt.
Daher ſein Abſcheu gegen die patriotiſchen Beſtrebun⸗ gen, das franzöſiſche Joch abzuſchütteln. Er fühlte ſich darunter ganz zufrieden und wünſchte der ſchleſiſchen Armee von ganzem Herzen ein neues Jena. Dabei hatte er es gern, wenn ich meine Anſichten lebhaft gegen ihn vertheidigte; mein warmes Intereſſe für eine Sache, bei deren Sieg ich für mich ſelbſt materiell nichts zu gewinnen hatte, erſchien ihm als eine pfychologiſche Curioſität. Er betrachtete mich in dieſer Hinſicht mit einem behaglichen Gefühl geiſtiger Ueberlegenheit als einen unpraktiſchen Schwärmer, der wohl nie im Leben etwas erreichen werde. Beſonders als nach der Schlacht bei Bauzen der Waffenſtillſtand geſchloſſen und die Pra⸗ ger Conferenzen eröffnet wurden, triumphirte er und prophezeite, Alles werde beim Alten bleiben, Kaiſer Alexander werde ſich glücklich ſchätzen, einen leidlichen Frieden zu erhalten; Preußen bereue längſt, ſich an einem ſo ungleichen Kampfe betheiligt zu haben, und Oeſterreich werde ſchon im Intereſſe der Ordnung die Partei des Weltherrſchers ergreifen. Die Schwärmer und Phantaſten, fügte er mit einem mitleidigen Blick auf mich hinzu, werden freilich ihre Rechnung nicht dabei finden, aber die ruhigen Bürger deſto mehr; die lieben gar nicht, ihre Haut zu Markte zu tragen für zukünftige Dinge, die nicht von ihnen abhängen. Was hilft mir auch der beſte Staat von der Welt, wenn ich vorher todt oder zum Krüppel geſchoſſen bin! Ich glaube nicht, daß der glänzendſte Sieg uns für einen dabei verlorenen Arm entſchädigen kann, den wir alle Tage unſers Lebens vermiſſen werden. Da iſt mein Schwager, der arme Major von Halden— was hätte er nun davon, wenn auch Deutſchland das größte und ſ Reich der Welt würde— er wäre nicht mit abei!
Mein Vertrauen auf die Sache der Verbündeten war auch einigermaßen geſunken; Napoleon an der Spitze einer zahlreichen Armee, die bereits glänzende


