Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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Ernſt Andolt.

Verſchönerungen, die nichts nützen. Aber auf einen Wink des gnädigen Fräuleins da läßt der gutmüthige Onkel ſofort Tiſchler und Glaſer kommen und aus der Ruine, welche kein Menſch betreten mochte, dieſes aller⸗ dings etwas ſonderbare Boudoir machen. Aber ſie

hat mir ſchlecht dafür gelohnt; verſteckt ſich hier den ganzen Tag und entzieht mir ihre anmuthige Geſellſchaft.

Der Mann war wie umgewandelt; er ſprach mun⸗ ter und belebt, und mit den kleinen grauen Augen blin⸗ zelte er das Fräulein freundlich an. Doch ein guter alter Herr! dachte ich; auf den erſten Eindruck etwas menſchenfeindlich, aber im Grunde nicht ohne Gemüth.

Ich bin Ihnen gewiß von Herzen dankbar, Herr Onkel, erwiderte Fräulein von Halden, und ich glaubte das gerade dadurch zu beweiſen, daß ich dieſe liebe Stätte, die mir Ihre Güte bereitet, ſo gern bewohne.

Wenn du mir wenigſtens endlich das trauliche Du geben wollteſt, wie es ſich unter Verwandten ſchickt!

Ja, Onkel! ſehen Sie, das verträgt ſich nicht mit der Ehrfurcht, mit der ich zu Ihnen, meinem Wohlthäter und Beſchützer, emporblicke.

Sie ſprach dieſe Worte zögernd und mit einiger Verlegenheit.

Was ſoll mir die Ehrfurcht! verſetzte Herr O., in ſeinen grämlichen Ton fallend. Du ſollſt mich lieb haben. Doch da kommt die Mamſell das Eſſen wird fertig ſein. Gehen wir!

Eine wohlgenährte weibliche Geſtalt, in der ſommer⸗ lichen Blüte des Lebens prangend, mit vollem, roth⸗ bäckigem Geſicht präſentirte ſich und machte die vom Amtmann vorausgeſehene Meldung.

Wir begaben uns nach dem Wohnhauſe, wo in einem höchſt einfach möblirten Zimmer das Mittags⸗ mahl genommen wurde; ich machte hier auch die Be⸗ kanntſchaft meiner Zöglinge, welche mich ſcheu begafften. Am Nachmittag mußte ich dieſelben in Gegenwart des Amtmanns examiniren, und dieſe Prüfung überzeugte