Ernſt Andolt.
violetten Lichtern, welche durch das ſchmale Fenſter ein⸗ fielen, wunderbar beleuchtet noch bläſſer und leidender erſchien— der heilige Ernſt, mit welchem ſie, ganz in ihr Werk verſenkt, die zarten Farbenſtriche auf die Lein⸗ wand webte— die tiefe Ruhe, welche über der ganzen Scene lag— das Alles übte auf meine Phantaſie einen mächtigen Zauber. Je länger ich das Profil der ſchönen Künſtlerin betrachte, deſto bekannter werden mir ihre Züge— es dämmert ſeltſam in meiner Erin⸗ nerung— jal trotz der magiſchen Beleuchtung erkenn' ich es, dieſes liebe Antlitz welches mir oft tröſtend in den Träumen meiner Kerkernächte auftauchte— nein! ich täuſche mich nicht— ſie iſt es!— Und wenn es doch eine Täuſchung wäre? Dieſer Zweifel trat eiskalt an mein Herz. In dieſem Augenblick ſah die Dame auf und wandte mir ihr volles Geſicht zu: kein Zweifel mehr— es war die Reiſegefährtin von 1812.
Erſchrocken über meinen Anblick hatte ſie ſich erho⸗ ben; ſie erröthete, aber ich glaubte zu bemerken, daß ſie auch mich wiedererkannte.
Ich ſtammelte meine Entſchuldigung, erklärte meine Anweſenheit, beklagte die Störung: je mehr ich redete, deſto muthiger fühlte ich mich: ich erinnerte ſie an unſer Zuſammentreffen auf jener verhängnißvollen Reiſe. — Aber Sie haben das vielleicht längſt vergeſſen? fügt' ich mit traurigem Accent hinzu.
Nein, ich hab' es nicht vergeſſen, ſagte ſie gerührt, alle Eindrücke jenes Winterabends ſtehen noch hell vor meiner Seele, auch die hülfreiche Theilnahme, welche Sie mir bewieſen bei dem kleinen Unfall mit den Pferden.
O, mein Fräulein, Sie benahmen ſich herviſcher dabei, als ich ſelbſt— indeß all meine Angſt und Be⸗ ſorgniß galt nur Ihnen— beſonders als unſer toller Reiſegenoſſe den Einfall hatte, Sie durch ſeine tur⸗ neriſchen Künſte aus dem Wagen zu befreien.
Sie lächelte; aber es war ein flüchtiger Strahl,


