250 Ernſt Andolt.
Pah, wenn ſie 1806 der preußiſche Corporalſtock nicht unbefiegbar machen konnte, ſo werden es Hirn⸗ geſpinnſte erſt recht nicht.— Nun, hier in der Gegend hat es, Gottlob! nichts zu ſagen; wir ſehen hier täg⸗ lich franzöſiſche und andere Truppen durchmarſchiren, nach der Elbe zu, um die kaiſerliche Armee zu verſtär⸗ ken Dieſer Anblick hat für die Ideologen und Hitz⸗ köpfe etwas ungemein Abkühlendes. Aber jenſeit der Elbe— in Preußen ſollen die Menſchen wie toll ſein — beſonders die Studenten und Turner. Wenn ſie noch wüßten, wofür ſie ſich ſchlügen!
Das wiſſen ſie ſehr wohl.
Virklich?— Ich meines Theils weiß es nicht. Wenn Sie mich darüber belehren können, werd' ich Ihnen ſehr obligirt ſein.
Wie? leugnen Sie etwa, daß wir unter dem ſchmählichſten Joch ſchmachten? daß unſre nationalen Heiligthümer bedroht ſind, wie damals, als Varus mit ſeinen Legionen in unſern Gauen ſtand? daß es gilt. den blutgierigſten Tyrannen——
Halten Sie ein, junger Mann! unterbrach mich der Amtmann ängſtlich; wenn ich Ihnen rathen ſoll, hüten Sie Ihre Zunge. Solche Reden können Ihnen den Kopf koſten und mich, wenn ich ſie anhöre, com⸗ promittiren.
Sie können unſre Thrannei nicht beredter ſchil⸗ dern, als mit dieſer Bemerkung, ſagte ich lächelnd.
Wie ſo? verſetzte er; nennen Sie es Tyrannei, daß hochverrätheriſche Reden verboten ſind? Das war immer ſo, das war vor der weſtphäliſchen Regierung noch weit ſchlimmer. Tyrannen— wenn Sie die, welche uns regieren, ſo tituliren wollen— hat es von jeher gegeben und wird es immer geben. Das iſt ein⸗ mal ſo geordnet. Ich für mein Theil will nun lieber en gros, als im Kleinen tyranniſirt werden. Wenn auf viele Millionen ein Thrann kommt, ſo iſt das leich⸗ ter zu tragen, als wenn auf eine Million viele Tyrannen


