Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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Eine Nacht. 249

Kampf entgegen aber einem Kampfe, der hoffent lich das wenn auch blutige Morgenroth friedlicher Zei⸗ ten iſt.

Ich glaube nicht daran. Wäre Rußland erobert, ja! dann hätten wir Frieden. Aber ſo Tiefer

Seufzer.

Sie könnten wirklich wünſchen, daß das letzte Boll⸗ werk, welches auf dem Continent ſich der franzöſiſchen Sündflut entgegenſtemmte, gefallen wäre? fragt' ich erſtaunt.

Ja, ich gäbe viel darum. Wenn gans Europa nur Einem gehorchte, hätten wir keine Kriege mehr.

Aber auch keine Nationalitäten, keine Bewegung, kein Leben mehr! Es würde die Ruhe eines Kirch⸗ hofes ſein.

Sagen Sie: die Ruhe einer wohlgeordneten Haus⸗ haltung, wo Jeder ohne Streit und Widerrede ſeine Schuldigkeit thut. Die fleißigen und friedliebenden Men⸗ ſchen würden ſich ſehr wohl dabei befinden, während bei dem Schwindel, der jetzt auf einmal in den Köpfen graſſirt, nichts als Blutvergießen und Contributionen, Hunger und Elend abzuſehen iſt.

Nach ſo vielen traurigen Erfahrungen kann aller⸗ dings auch die jetzige Erhebung als gewagt erſcheinen.

Sagen Sie: als ein Unfinn, purer Unſinn! Glau⸗ ben Sie, weil dem Kaiſer in Rußland eine Armee

erfroren, werde er vor den Koſaken oder gar vor den

Turnern und der preußiſchen Landwehr Kehrt machen?

Aber vielleicht vor dem neuen Geiſt, welcher unfre Nation bewegt; es ſind nicht bloß Heere, die er zu bekämpfen hat, es ſind Ideen die größten, welche je die Menſchheit beſeelten und welche zu allen Zeiten Wunder wirkten.

Ideen hm! Mit all Ihren Ideen werfen Sie kein franzöſiſches Bataillon über den Haufen.

Gewiß nicht; aber die Ideen werben uns deutſche Bataillone und machen ſie unbeſiegbar.