248 Ernſt Andolt.
„von demſelben“ zu bringen. Ich nahm, über dieſen ſchweigſamen Empfang ein wenig verdutzt, den mir an⸗ gewieſenen Platz und betrachtete mir mit Muße den breitſchultrigen, wohlgenährten Mann, welcher mir auf den erſten Eindruck unter ſeinem ſchattigen Blätter⸗ baldachin, bei dem röthlich funkelnden Rebenſaft und von den Gewölken ſeiner Pfeife ſanft umwirbelt als einer der glücklichſten Erdenbürger erſchien. Ich be⸗ merkte jetzt, daß ſein volles, feiſtes Geſicht nichts weni⸗ ger als Zufriedenheit ausdrückte; die kleinen grauen Augen ſchauten ſo grämlich unter den ſtarken Wimpern hervor und lugten ſo mißtrauiſch in die Welt hinaus, die Stirn zeigte ſo viele Runzeln, und um die Mund⸗ winkel ſpielten ſo mürriſche Falten, daß ich den Mann ſchon nicht mehr beneidenswerth finden konnte.
Seien Sie mir willkommen, ſagte er mit näſelnder Stimme; Sie wollten alſo die Information meiner Söhne übernehmen; wünſche viel Vergnügen dazu; die Rangen werden Ihnen genug zu ſchaffen machen. Sie haben bislang nur die Dorfſchule beſucht, und unſer Schulmeiſter iſt ein vollſtändiger Ignorant; ſchneidet während der Schulſtunden Häckſel oder ſtrickt Strümpfe. Außerdem fehlt die Mutter im Hauſe; ich bin ſeit Jah⸗ ren Wittwer. Sie werden Ihre Noth haben, ſag' ich Ihnen.
Ich äußerte, daß es an Eifer von meiner Seite nicht fehlen ſolle, daß ich mich glücklich ſchätzte, ein Feld für meine Thätigkeit zu finden.
Nun ja! verſetzte er, in ſchlechten Zeiten muß man vorlieb nehmen. Jeder hat ſeine Plackerei hienieden: das iſt einmal ſo geordnet. Nach dem Pferde iſt der Menſch das geplagteſte Geſchöpf auf der Welt, alles andere Vieh hat es beſſer.
Ich lächelte.
Zumal in dieſen ſchrecklichen Zeiten! fügte er mit einem Seufzer hinzu.
Wir gehen allerdings, verſetzte ich, einem großen


