242 Ernſt Andolt.
Indeſſen beſchloß ich, Alles zu verſuchen, mich, wenn möglich, aus meinein Abgrund zu befreien und das verlorne Paradies durch eigene Anſtrengungen wiederzugewinnen. Ich tappte vorſichtig umher, ob ich nicht einer Leiter habhaft würde oder einen Ausgang fände. Obgleich ich nach und nach ſämmtliche vier Wände berührt und mir einige Brauſchen geſtoßen hatte, fand ich doch nur eine von außen verſchloſſene Thür und kein anderes Geräth, als einige Heugabeln und Dreſchflegel. Ich überlegte eben, ob ich die Thür ſprengen und auf die Gefahr hin, von den Hofhunden zerriſſen zu werden, oder doch mir eine vielleicht lebens⸗ gefährliche Erkältung zu holen, von außen wieder in das Haus zu dringen verſuchen ſollte: als ich draußen plötzlich ein Geräuſch vernahm. Schwere Fußtritte ließen ſich hören, ſodann ein halblautes Geſpräch, von dem ich nur einzelne Worte verſtand, welche mich mit Be⸗ ſorgniß erfüllten. Gleich darauf verloren ſich die Fuß⸗ tritte. Alles wurde ſtill. Ich überlegte, ob ich ſchreien und das Haus allarmiren ſollte. Aber das war nicht von Nöthen: denn ein lautes Krachen, wahrſcheinlich vom gewaltſamen Erbrechen einer Thür, und ein fürch⸗ terliches„Rüdengeheul“ ertönte. Bald darauf wurde der Lärm allgemein, aber bereits im Innern des Hau⸗ ſes; Thüren wurden zugeſchlagen, Möbeln umgeworfen — ein Schuß fiel. Dann eine augenblickliche Stille, der ein wildes Geſchrei folgte; es kam immer näher; ich hörte Fußtritte über meinem Haupte, und plötzlich ſprang eine weiße Geſtalt von oben herunter, mir faſt auf die Schultern Wer da? rief ich erſchrocken. Ein Fauſtſchlag, der mich zu Boden warf, war die Antwort, und ich hörte, wie ſich die Geſtalt in einer Ecke des Speichers im Heu verkroch. Gleichzeitig fiel ein grelles Schlaglicht von oben in den Raum. Ich ſah eine auf der Spitze eines Bayonetts ſchwankende Laterne durch eine Oeffnung der Decke hereinſchweben. Zugleich hörte ich oben Stimmen: Ich ſehe ihn, Herr Cymmiſſär!—


