Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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Eine Nacht. 243

Ah vraiment! le voilà!— Die Laterne verſchwand wieder. Gleichzeitig hörte ich in der Nähe eine ge⸗ dämpfte Stimme: Verrathen Sie mich nicht!

Der Zuſammenhang wurde mir auf ein Mal klar. Mochte man bei dem am Abend arretirten Hauptmann compromittirende an den Baron gerichtete Briefe gefun⸗ den, oder ſonſt Verdachtsgründe gegen ihn haben eine Patrouille war nach der damals bei wichtigen Fällen beliebten Praxis zur Nachtzeit ausgeſandt, um den Baron zu verhaften und ſich ſeiner Papiere zu bemäch⸗ tigen. Der Letztere hat ſich wahrſcheinlich durch mein Schlafzimmer auf den dahinter liegenden Boden ge⸗ flüchtet und war durch jene mir ſo verhängnißvoll gewordene offene Fallthür in den Speicher hinabge⸗ ſprungen.

Ehe ich Zeit hatte, dieſe Möglichkeiten weiter zu erwägen, öffnete ſich die Thür, und ein Mann in Uni⸗ form, eine Laterne haltend, gefolgt von zwei Soldaten, trat ein. Mein Herr, Sie ſind Arreſtant! ſagte er zu mir. Hier ſehen Sie den Verhaftsbefehl! Er hielt mir ein Blatt Papier vor, auf welchem ich bei dem flackernden Scheine der Laterne nur ein großes Siegel und die Namen meines Wirthes und des Referendars bemerkte. Kommen Sie ſchnell, ſich anzukleiden! rief der Beamte. Ich folgte ihm in den Hof, von da raſch in der Mitte zweier Soldaten auf die Hausflur wo bei hellem Lichterſchein noch verſchiedene Polizeileute und die erſchrockene Dienerſchaft umherſtanden. Auch den langen Referendar fand ich daſelbſt, von zwei Männern bewacht; er putzte ſeine Brille mit dem Taſchentuche und hatte die gleichmüthigſte Miene von der Welt.

Man führte mich hinauf in die Zimmer des Ba⸗ rons, wo ich an dem offenen Schreibtiſch desſelben einen kleinen ſchwärzlichen Mann in Uniform beſchäf⸗ tigt fand, die darin befindlichen Papiere in Bündel zuſammenzuſchnüren. Derſelbe fixirte mich mit einem ſtechenden Blick und fragte den neben mir gehenden

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