240 Ernſt Andolt.
praſſelnden Kaminflamme— das Alles ſchien mir un⸗ gemein pvetiſch. Ich entkleidete mich langſam und wollte eben in das Bett ſteigen, als mir einfiel, daß ich einige Vorſichtsmaßregeln verſäumt hatte, welche ich auf Rei⸗ ſen gewiſſenhaſt zu beobachten pflegte. Ich ſah unter das Bett, ob auch Niemand darunter läge; dann unter⸗ ſuchte ich die Thür, fand aber zu meinem Schrecken, daß ſie ſich nicht verſchließen ließ. Ich bin ſtets der Anſicht geweſen, daß man den vollen Genuß der Nacht⸗ ruhe nur im Gefühl völliger Sicherheit und zwar bei verſchloſſenen und verriegelten Thüren haben kann. Um dem Uebelſtand einiger Maßen abzuhelfen, erfand ich eine Vorkehrung, daß die Thür nur mit einem bedeu⸗ tenden Geräuſch geöffnet werden könnte, indem ich zwei alte Stühle an derſelben gegen einander lehnte und auf die zuſammenſtoßenden Lehnen derſelben mit großer Geſchicklichkeit das Waſchbecken in einer nur auf dem genaueſten Gleichgewicht beruhenden Poſition anbrachte, ſo daß der ganze Apparat bei dem geringſten Druck gegen die Thür zuſammenſtürzen mußte. Sehr zufrie⸗ den mit meinem Werke, überſah ich ruhigen Muthes noch einmal das ganze Gemach, als ich plötzlich eine zweite und zwar eine Tapetenthür entdeckte. Wohin führte ſie?— Dieſe Frage zu entſcheiden, öffnete ich ſie mit einer Art ſchauerlicher Neugier. Ein kalter Hauch kam mir aus einem weiten, dunklen Raume ent⸗ gegen, ich ergriff das Licht und leuchtete hinaus. Ein weiter Bodenraum that ſich vor mir auf. Welche Un⸗ vorſichtigkeit, dachte ich, nür ein ſolches Schlafgemach zu geben, welches von allen Seiten zugänglich iſt; wie leicht können Diebe von dieſem Boden aus zu mir ein⸗ dringen! Oder ha! ſollte man mich abſichtlich in ein ſo ſchlecht verwahrtes Quartier geſetzt haben, um mich vielleicht in der Nacht zu knebeln, ſich meiner Perſon zu bemächtigen, um mich— wie der Referendarins ſagte— unſchädlich zu machen?— Es wäre entſetz⸗ lich! Jedenfalls will ich auf meiner Hut ſein; Miß⸗


